Dienstag, 6. August 2013

Beautiful people - Serienkritik

Beautiful People gibt es bisher leider nur auf Englisch. Die Serie, die auf einem autobiographischen Roman von Simon Doonan basiert, ist einzigartig und unheimlich witzig.
Der 13-jährige Simon sehnt sich nach nichts mehr, als endlich seine Heimat Reading zu verlassen und nach London zu ziehen. Denn was gibt es in dem Kaff schon für einen Jungen, der am liebsten zu den Spice Girls tanzt, der davon träumt einen goldenen Lockenstab zu besitzen oder die Hauptrolle in einem Musical zu spielen? Wenn wieder mal alles zu viel scheint, dann sagen er und sein bester Freund Kylie sich ihren Spruch auf: "Were will we live?"
"In London." "Who will we live amongst?" "The beautiful people!"
Seine Familie, obwohl durchaus liebevoll und tolerant, ist Simon nicht glamourös genug. Sein Vater, der aus Kartoffeln Wein herstellt, kann nicht viel mit ihm anfangen. Seine Mutter ist damit beschäftigt die bestangezogenste Frau im Viertel zu bleiben und sich ab und zu mit Kylies Mutter zu prügeln. Seine Schwester, die sich an jeden Typ im Viertel ranmacht, lässt sich immerhin von ihm frisieren und die blinde Hippiefreundin seiner Mutter, die bei ihnen lebt kauft ihm pinke Nylonanzüge. Der Ton der Serie ist zwar Comedy, es gibt aber ab und zu auch ernste Momente. Vor allem der junge Hauptdarsteller gibt der Serie ihr Herz. Ich hätte mir keinen anderen an seiner Stelle vorstellen können. Im Interview gibt Luke Ward-Wilkinson zu, dass er erst einmal überlegen musste, so eine Rolle anzunehmen. Am schwersten sei es gewesen, mit Highheels und Kleid durch den Schulflur zu rennen. Gut, dass er sich getraut hat, denn die Rolle des "flamboyanten" Teenies, der sich erst noch klar darüber werden muss, schwul zu sein, spielt er absolut glaubwürdig. Auch Olivia Colman als seine Mutter Debbie ist eine  perfekte Besetzung. Mit der Art ihres Sohnes hat sie kein Problem - als herauskommt, dass er das Kleid von Kylies Mom anprobiert hat, reagiert sie, wie eine Mutter auf so etwas nur reagieren könne: Warum hat er nicht mein Kleid genommen!
Es ist diese ganz spezielle Art von Humor, und vor allem der "Camp-Faktor", der die Serie zu so etwas besonderem macht. Gedreht von einem schwulen Regisseur, mit schwulem Produzent nach dem Roman eines schwulen Autors (auch wenn die Handlung von den 50ern in die 90er verlegt wurde).
Dennoch ist es keine wirklich typische Geschichte schwuler Teenager die in der Provinz aufwachsen, dafür ist das Setting zu überzeichnet und auch ein wenig schön gefärbt. Es ist eine Serie voller liebenswerter durchgeknallter Figuren und absurder Komik.
Allein die Titelmelodie ging mir auf die Dauer etwas auf die Nerven und auch die kurzen Einführungen des älteren Simon, der inzwischen Schaufensterdekorateur bei Barneys ist, waren für mich überflüssig.
Die zwei Staffeln umfassende Serie trägt das Prädikat ab 16 (die erste ab 12), wohl vor allem wegen einer Gewalt beinhaltenden Szenen, denn dort bleibt nicht alles so rosig. Ich bin immer wieder begeistert, an was für Stoffe die BBC sich herantraut.
Wer auf leicht abgedrehten britischen Humor und schwule Coming-of-age Geschichten steht, sollte sich die Serie unbedingt ansehen.

Dienstag, 23. Juli 2013

eBook-Rezensionen, zwei Texte von Fanfiktion: Lsker und Tjark

Es gibt einige tolle Texte auf Fanfiktion, über die ich schon länger mal etwas schreiben wollte.
Weil ich sonst vielleicht nie dazu komme, fasse ich mal zusammen:


Diese SF-Novelle hat mich sowohl vom originellen Inhalt als auch vom Stil sehr beeindruckt und ich verstehe nicht, warum sie so wenig Reviwes hat.
Aber erstmal zum Inhalt: In ferner Zukunft wurde die Erde von Aliens besetzt, die die Menschen unterdrücken. Zunächst nichts Neues, doch die Umsetzung habe ich in der Form noch nie gelesen und ich musste dreimal nachsehen, um zu glauben, dass es sich nicht um Fanfiktion sondern um eine originale Story handelt.
Die Lsker verlangen von allen Menschen, dass sie ihnen Teile ihres Körpers opfern. Welcher das ist, können die Menschen selbst entscheiden, ein Zeh, ein Ohr, ein Auge ... jedes Jahr eines. Die Lsker sind schwarze unheimliche Wesen, die die Fähigkeit haben, Dinge zu absorbieren, sie in sich aufzunehmen, einen richtigen Körper haben sie nicht, was sie wollen weiß niemand.
In einer der Einrichtungen, in denen den Menschen Körperteile abgenommen werden arbeitet Naviam, eine der Hauptfiguren. Naviam leidet sehr an seiner Tätigkeit, zu der er gezwungen wird. Sein Partner Elias hat es da als Radiomoderator besser erwischt, doch beide sehnen sich danach, der Unterdrückung zu entfliehen. Es ist kaum möglich, mehr über die Handlung zu erzählen, ohne zu viel zu verraten, nur soviel: es gibt immer wieder überraschende Wendungen. Zwischen den Kapiteln aus Elias und Naviams Sicht gibt es Einschübe, Tagebucheinträge, Ereignisse zu Beginn der Invasion der Lsker. Durch diese ergibt sich nach und nach ein komplexes Bild der Geschehnisse. Der Stil ist leicht zu lesen aber dennoch anspruchsvoll, ohne Ausschweifungen wird nur das erzählt, was für die Geschichte relevant ist. Ganz im Stil einer guten Novelle. Erfrischend war auch, dass die sexuelle Orientierung der Figuren nur eine Nebensache, eine Selbstverständlichekit ist.  Das Ende war für mich sehr unerwartet und ich hätte mir ein anderes gewünscht, aber das ist sicher Geschmackssache.

Die zweite kürzere Geschichte, die ich kürzlich gelesen habe und die mir sehr gut gefalle hat war:




Die Autorin bezeichnet den Text selbst Experiment, welches ihr sehr gut gelungen ist, wie ich finde. Sie nähert sich einer Figur, Tjark, indem sie die Menschen in seinem Leben über ihn erzählen lässt. So setzt sich nach und nach ein Bild über ihn zusammen, ein Bild eines stillen, schroffen, verschlossenen Mannes, der in seiner Kindheit viel durchmachen musste und dem es sehr schwer fällt, sich anderen zu öffnen. Da ist zunächst Jan, der überrascht davon ist, dass er plötzlich etwas für den langjährigen Freund empfindet, den er vorher nie richtig wahrgenommen hat. Sie erleben eine Nacht voll leidenschaftlichem harten Sex. Doch es dauert lange, bis beide sich über ihre Gefühle zueinander klar werden. Denn über seine Gefühle redet Tjark nie mit anderen, nicht einmal mit der Frau, mit der er vier Jahre zusammen war. Nur einer hat es bisher geschafft, hinter seine Fassade zu schauen: Matthis, sein Austauschbruder aus Kanada. Wie es die Menschen um Tjark schaffen, ihn dazu zu bringen, seine Vergangenheit endlich hinter sich zu lassen ist sehr eindrücklich geschildert. Durch die unterschiedlichen Perspektiven werden immer mehr Details aus Tjarks Leben offenbart, vielleicht die einzige Art, sich einem solchen verschlossenen Charakter zu nähern.
Das Ende ist ungewöhnlich und überraschend und gerade deswegen so schön, so viel sei verraten. Neben dem Inhalt ist es aber vor allem Dewis Stil, der mich an den Text gefesselt hat. Es ist selten, eine schwule Liebesgeschichte zu lesen, die ich zu anspruchsvoller Literatur zählen würde. Wie sie mit wenigen knappen aber immer genau treffenden Worten die Gedanken und Gefühle der Figuren beschreibt, wie zum Beispiel Jan Tjark ansieht und dabei jedes Detail seines Gesichtes analysiert ist hohe Kunst, wovon ich mir gerne ein bisschen etwas abgucken würde. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, ihre anderen Texte und vor allem Staub und Stolz zu lesen.


Mittwoch, 17. Juli 2013

Mal wieder zu viele Projekte ...

Im Moment kann ich mich wirklich nicht über neue Ideen beschweren. Meine Liste mit Projekten, die ich noch schreiben möchte ist bereits endlos lang. Nachdem ich bei meiner viktorianischen Geschichte noch mittendrin stecke, hat mich die Muse schon wieder überfallen. Gestern habe ich auch gleich ein paar Seiten zu dem neuen Projekt aufgeschrieben. Ich versuche mich jedoch davon abzuhalten, ständig an das neue Projekt zu denken. Denn dann schaffe ich es ja nie, etwas fertig zu schreiben, wenn ich immer etwas Neues anfange. Leider ist es so, dass neue Ideen immer den größten Reiz haben. Wenn ich eine Idee nicht gleich beginne, dann gerät sie häufig in den Hintergrund und ich überlege noch einmal, ob ich sie wirklich schreiben möchte. Eigentlich lege ich immer eine Reihenfolge fest, an die ich mich dann abe meistens doch nicht halte, weil plötzlich neue Projekte dazukommen. Eigentlich wollte ich ja zuallererst mein Jugendbuch schreiben. Aber ich gerate doch in Versuchung erst meine begonnenen Projekte, also: Ein Sommer in Vermont fertigzuschreiben. Und dann ist da die erwähnte neue Idee. Da habe ich allerdings erst das Ende der Geschichte, was mir auch nicht oft passiert.
Zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten, der eine ein stilvoller Multimillionär, der andere ein linker Weltenbummler, verheiratet, an die zehn Jahre zusammen. Aber der Weg dahin, das müssen sie mir noch verraten, wie sie das geschafft haben. Und ihr glaubt es kaum, aber die Idee kam mir durch etwas, das mir über eine echte Person erzählt wurde.

Sonntag, 7. Juli 2013

Edward van de Vendel: Die Tage der Bluegrass-Liebe - Buchrezension

Die Tage der Bluegrass Liebe ist zuerst als Spring wenn du dich traust bei Carlsen erschienen, der neue Titel ist aber eine Übersetzung des Originals und passt auch viel besser zum Buch.

Tycho hat gerade die Schule abgeschlossen und möchte ein Jahr lang erst einmal Pause machen. Von seiner Heimat Amsterdam fliegt er in die USA, um dort in einem Feriencamp für Kinder als Junior Asistant zu arbeiten. In der Little World, wie das Camp heißt, sind alle freundlich und nett zueinander, es ist ein kleines Paradies abseits der Welt.
Als Tycho sich dann Hals über Kopf in einen anderen Junior Asistant aus Norwegen, Oliver, verliebt, bringt ihn das ziemlich durcheinander. Schon bald verbringen sie keine Minute mehr ohne den anderen. Doch sie können nicht ewig in ihrer Little World bleiben.
Viel mehr kann ich gar nicht zum Inhalt des Buches sagen, ohne zu viel zu verraten. Das Coverbild passt wie ich finde besser zur Geschichte als das niederländische Original, die beiden lächelnden Jungen, die bunte Schrift, Bluegrass  - das lässt einen an heiße glückliche Sommernächte denken. Es ist ein Buch über das erste richtige Verliebtsein, die intensive kurze Zeit. Insgesamt war die Geschichte selbst für die 190 Seiten etwas dünn, aber das macht nicht viel aus, denn es ist vor allem der Stil des Autors, der mich für das Buch einnimmt. Es ist ein sehr klarer schnörkelloser Stil, kurze Sätze, die immer genau das beschreiben, was die Figuren fühlen. Dabei wirkt der Stil jedoch nie zu einfach oder zu sehr nach Jugendsprache, im Gegenteil, er ist erstaunlich anspruchsvoll für ein Jugendbuch. Edward van de Vendel wurde bereits dreimal mit dem niederländischen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Er schreibt überwiegend Kinderbücher, aber seine anderen Jugendbücher, insbesondere die Fortsetzung zu Die Tage der Bluegrass Liebe: Die langen Nächte der Stille, werde ich sicherlich auch noch lesen.

Das Buch erschien 1999 im Original und 2001 bei Carlsen in Deutsch. Taschenbuch, 192 Seiten.
Leider scheint es das Buch nur noch als eBook und gebraucht zu geben.

Freitag, 28. Juni 2013

11 Fragen - kleines Bloginterviewspiel


Charlotte hat mir durch ein Blogspiel 11 Fragen gestellt, die ich nun gerne beantworte. Vielen Dank Charlotte, fürs Taggen. Deine Fragen sind sehr spannend zu beantworten.
Wie läuft das ab?
  • Als Dankeschön den Tagger verlinken.
  • 11 Fragen vom Tagger beantworten.
  • Sich selber 11 Fragen ausdenken.
  • 5 Blogger taggen, die unter 200 Follower haben und es ihnen mitteilen.


1. Erzähl etwas über das Projekt, an dem du gerade arbeitest. Macht es dir Spaß?
Ja, es macht mir sehr viel Spaß, es zu schreiben. Der Arbeitstitel ist, "Verführung eines Gentleman", wobei ich befürchte, dass das zu sehr nach Erotik klingt. Jedenfalls kann ich nich viel zur Geschichte sagen, ohne zu viel zu verraten. Es geht um zwei Männer, die in England um 1905 leben und sich verlieben. Ich mag diese Zeit unheimlich gerne und es gibt ja nur wenige schwule Liebesgeschichten, die zu der Zeit spielen, wie Maurice oder Adrian Mayfield. Es macht Spaß, über die Zeit zu recherchieren, wobei einiges auch sehr schwer herauszufinden ist. Da werde ich wohl noch einmal auf die liebe Fragestellerin zurückkommen müssen. Vor allem mag ich aber meine Figuren sehr gerne.
Leonard ist ein wenig wie Darcy. Etwas grummelig und zurückhaltend, nicht an Smalltalk oder Bällen interessiert. Und er will sich ganz bestimmt nicht verlieben. Aber eigentlich ist er ganz nett. Vincent dagegen ist immer fröhlich, aufgeweckt und lebenslustig. Und es macht unheimlich viel Spaß, aus seiner Sicht zu schreiben, aber mehr kann ich gar nicht sagen, ohne meinen Plottwist zu verraten.
Ich habe gerade die dritte Staffel Downton Abby gesehen, was ja schon nach dem ersten Weltkrieg spielt, aber auch sehr interessant für den Umgang mit Homosexualität ist, wie ich finde. In der Zeit hat sich so viel verändert, was sich in der Serie sehr gut widerspiegelt. Da habe ich gleich Lust bekommen, weiter zu recherchieren. Jetzt lese ich ein autobiographisches Buch von Christopher Isherwood, was zwar in den zwanzigern, aber an einer englischen Universität spielt, was ich für meine Recherche brauche und das liest sich sehr unterhaltsam.

2. Welches Genre liest du am liebsten und weshalb gerade dieses?
Da kann ich gar kein Bestimmtes nennen, da ich viele verschiedene Bücher gerne lese. Ich lese natürlich gerne Bücher, in denen homosexuelle Figuren vorkommen, wer hätte es gedacht. Aber ich lese auch gerne Gegenwartsliteratur, Klassiker und Fantasy. Außerdem lese ich gerne Jugendbücher, wie man vielleicht schon an meinen Rezensionen merkt.

3. Welcher ist dein allerliebster Bösewicht, der nicht von dir selbst stammt, und aus welchem Roman stammt er?
Hui, schwere Frage. In Fantasy-Büchern sind die Bösewichte ja oft recht klischeehaft. Der böse Magier, der die Welt zerstören oder beherrschen will, warum auch immer. Aber wer weiß auch schon, warum Diktatoren ihr Land beherrschen wollen?
Mir fallen gerade nur Bösewichte aus Kinderbüchern ein. Aus irgendeinem Grund war ich immer total fasziniert von Gmork dem Werwolf in der Undendlichen Geschichte.
 
4. Wie sieht es bei deinen eigenen Werken aus? Wer ist dein liebster Antagonist?
Genauso schwer, ich weiß gar nicht, ob ich richtige Antagonisten überhaupt habe, denn meistens kämpfen meine Figuren mehr mit sich selbst. Vielleicht könnte man Claude aus Lex als Antagonist bezeichnen. Er nutzt seine überlegene Postion aus und zieht Lex gewissermaßen in seinen Abgrund, indem er ihm Drogen gibt. Aber gleichzeitig ist er jemand, der mit seinem eigenen Leben nicht zurechtkommt und das tragische an ihm ist vielleicht, dass er Lex wirklich liebt, es aber überhaupt nicht ausdrücken kann. Ich mag jedenfalls seine überhebliche Art, auch wenn er mir immer ein wenig fremd geblieben ist.

5.  Gibt es ein Buch, in dem du gern wohnen würdest? Wenn ja, weshalb dieses?
Also Bücher, in denen ich gerne dauerhaft leben würde? Da fallen mir viele ein. Zum Beispiel würde ich gerne in einem Jane-Austen-Buch leben, weil ich die Zeit so liebe, in Mr. Darcys Haus oder so. Aber wahrscheinlich wären mir die Unannehmlichkeiten der Zeit dann doch zu groß ( kaum Rechte für Frauen, kein Internet etc. ... ) Oder im Mumintal, da passieren immer so viele skurrile Sachen.

Lest weiter: 

Samstag, 22. Juni 2013

eBook-Rezension: Absolut Talentfrei von Art-Sensei


Ich rezensiere ja nur Sachen, die mir gut gefallen und ich habe mir vorgenommen, alles zu rezensieren, was mir gut gefällt und irgendwie was mit LGBTI-Themen zusammenhängt. Deshalb rezensiere ich jetzt auch online frei verfügbare Texte, von Fanfiktion, boyxboy oder anderen Seiten. Besonders, wenn ich finde, dass die Texte mehr Aufmerksamkeit verdienen. Texte im Netz müssen nicht schlechter sein als gedruckte Bücher oder ebooks, die man kaufen kann. Ganz im Gegenteil. Die letzten beiden Texte, die ich auf Fanfiktion gelesen habe, haben mir besser gefallen, als die meisten Bücher, die ich je im Genre als Buch gelesen habe. Da der Markt ja in Deutschland nicht besonders groß ist, denn die Leserschaft ist zwangsweise begrenzt, haben es deutsche Autoren nicht gerade leicht, bei größeren Verlagen zu erscheinen. Oder wisst ihr ein Jugendbuch mit schwuler Hauptfigur eines deutschen Autoren/in, das in den letzten zehn Jahren bei einem größeren Verlag erschienen ist? Ich jedenfalls weiß keines, da fällt mir immer nur David Levithan ein. Bei Büchern für Erwachsene gibt es zwar öfter mal Ausnahmen, und es gibt ja auch einige spezialisierte deutsche Verlage, aber da Absolut Talentfrei mit dem Coming-Out und ersten Verliebtsein für mich ins Jugendbuchgenre fällt, habe ich mir darüber mal Gedanken gemacht.
Im Internet lassen sich jedenfalls eine Menge ziemlich guter (natürlich auch ziemlich schlechter) Texte für Jugendliche und für Erwachsene finden. Und seit ich einen eBook-Reader habe, lesen sich die auch gut und schnell.

Ihr findet Absolut Talentfrei hier auf Fanfiktion. Da kann man sich alle Texte auch als eBook runterladen.

Jetzt aber zur eigentlichen Rezension: Absolut Talentfrei, das ist Sam nach eigener Angabe. 16 Jahre alt, in der zehnten Klasse, hat Sam sich bisher noch nie verliebt. Nur mit seinem besten Freund Iven hat er schon mal ein bisschen ausprobiert. Aber dann kann Sam sich plötzlich vor Verehrern gar nicht mehr retten. Blöd nur, dass man sich nicht immer in denjenigen verliebt, der einen auch zurückliebt.
In Absolut Talentfrei gibt es eine ganze Reihe von wunderbaren Charakteren. Da ist zunächst Sam selbst, eigentlich ja Außenseiter in der Klasse, denn er ist ja Indie und will mit den Hipstern nichts zu tun haben. Dass er so viel Wert auf sein Aussehen legt und seinen Rockabilly-Stil pflegt, hat natürlich gar nichts damit zu tun, dass er schwul ist. Und wie kommt Cameron, der amerikanische Austauschstudent überhaupt darauf, ihn nach einem Date zu fragen? Cameron ist zwar der Schwarm der Klasse, gutaussehend, süß, Musiker, aber leider gar nicht Sams Typ. Denn Cameron ist der typische Sunnyboy - immer lächelnd, aber nicht besonders intelligent.
Als Sam dann auch noch beinahe mit einer Klassemkameradin schläft und sich dann in einen sieben Jahre älteren Türsteher verliebt, überschlagen sich die Ereignisse.

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Donnerstag, 20. Juni 2013

Wie erschafft man richtig lebendig wirkende Figuren?

Welche Romane sind euch so richtig gut in Erinnerung geblieben, obwohl es schon länger her ist, dass ihr sie gelesen habt? Bei mir sind das Bücher mit einzigartigen lebendigen Figuren, Figuren, die einem wie reale Personen erscheinen, mit denen man mitleidet und bei denen man sich manchmal wünscht, es würde sie wirklich geben.
Mir selbst fallen spontan nur eine Handvoll solcher Figuren ein. Die meisten Figuren, die mir in Büchern begegnen sind entweder zu klischeehaft oder zu einseitig um wie echte Personen zu wirken. Ich will gar nicht behaupten, dass ich selbst es besser kann, denn es ist verdammt schwer, sich solche Figuren auszudenken. Es erfordert viel Zeit und Arbeit.
Bei mir ist es so, dass Geschichten und Figuren meist von ganz allein kommen, sie sind einfach da. Aber sie sind nicht immer fertig, wenn sie sich mir vorstellen. Manchmal fange ich dann an zu schreiben und merke dann erst, dass die Figuren noch etwas Feinschliff benötigen. Sie sollen nicht nur handeln und den Plot vorantreiben. Bei meinem aktuellen Projekt, das ich jetzt "Verführung eines Gentleman" genannt habe, ist mir aufgefallen, dass meine Hauptfiguren zwar nach meinem Plot handeln, aber dabei nicht richtig lebendig wirkten, ich wusste einfach noch zu wenig über sie.
Wie gelingt es nun, dass sich das ändert? Ein Patentrezept gibt es wohl nicht. Jeder Autor arbeitet anders. Im Internet lassen sich einige Charakterfragebögen finden, wo man die Eigenschaften seiner Figuren einträgt. Ich selbst arbeite nicht damit, da ich immer alles im Kopf habe und selten etwas aufschreibe. Insbesondere das Aussehen und die vordergründigen Eigenschaften sehe ich meist direkt vor mir. Dazu gehört nicht nur das Erscheinungsbild, auch die Stimme ist etwas, was einen Menschen auszeichnet und was ich selbst häufig vergesse zu beschreiben. Außerdem Gesten und Mimik, Dinge, die jemand immer tut, wenn er nervös ist oder ob jemand einen besonderen Gang hat.
Wenn man von außen nach innen vorgeht, müsste man dann auch das soziale Netzwerk seiner Figur erfassen. Welche Menschen sind ihm wichtig, wie ist das Verhältnis zu den Eltern, zum Partner, zu Freunden? Das ist bei mir  aber etwas, was sich nach und nach beim Plotten herausstellt. Ich mache mit meinen Figuren meistens erstmal einen Persönlichkeitstest, auch wenn das unbewusst abläuft. Ist die Figur eher introvertit oder extrovertiert, schüchtern oder selbstbewusst, offen oder verschlossen, eine Quasselstrippe oder eher ruhig? Vertraut sie leicht anderen Menschen?
Auch die groben Daten der Biographie weiß ich meistens recht schnell. Zu erwähnen, welchen Beruf eine Person hat, oder wo sie aufgewachsen ist, trägt jedoch nur dann etwas zu Einzigartigkeit bei, wenn es nicht nur gesagt wird, sondern sich gleich etwas damit verbindet. Zum Beispiel wäre es bezeichnend, wenn die Person ihren Beruf hasst. Oder man bringt immer wieder Erinnerungen aus der Kindheit und Jugend mit ein, die die Person geprägt haben. Das können Kleinigkeiten sein oder grundlegende Wendepunkte. So hat das zum Beispiel Andreas Steinhöfel in "Die Mitte der Welt gemacht." Ich finde seine Figuren wirken zwar alle etwas überzeichnet, aber auch sehr lebendig und das liegt daran, dass man so viele Details über sie erfährt, dass man sich kaum vorstellen kann, dass der Autor sich das alles ausdenken konnte. Ein Mittel wäre natürlich auch, eigene Erinnerungen verfremdet einzubinden. Dazu könnte man zum Beispiel in seinen Erinnerungen wühlen und sich fragen, woran erinnere ich mich aus meiner Kindheit? Was hat mich geprägt? Oder man stellt diese Fragen Bekannten. Man muss natürlich keine intimen Details aus seinem eigenen Leben verraten. Aber es kann ein Anhaltspunkt sein, um sich zu überlegen, was seine erfundenen Figuren geprägt haben könnte. Also ich bin ja fürs psychologisieren, denn auch wenn man nicht jedes Detail wissen muss, dass seine Figuren geprägt hat und es erst recht nicht wie aus einem Psychologielehrbuch wirken sollte, ist es doch ein Teil davon, der einer Figur Tiefe verleiht.

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