Montag, 21. September 2020

Queere Fantasy unter Zensur - die erstaunlichen Wege chinesischer Serien

 

Lan Zhan (Wang Yibo) und Wei Wuxia (Xiao Zhan) in The Untamed

Es ist kein Geheimnis, dass es LGBTI in China schwer haben. Zwar verbietet die Regierung keine Homosexualität, sie hat dazu aber ein ambivalentes Verhältnis. In Film und Serien hat sie queere Repräsentation weitgehend zensiert. Seit 2016 eine Verfügung in Kraft trat, die unter anderem außereheliche Affären, aber auch LGBTI verbietet, haben es die Produzenten und Drehbuchautor*innen von Serien noch schwerer. Das hindert sie aber nicht, einige der besten queeren Fantasy-Serien zu produzieren, die es weltweit gibt. Erstaunlicherweise schaffen es ausgerechnet im unter Zensur stehenden China immer wieder Geschichten, die auf „Boys Love“-Büchern oder Webstories basieren ins Fernsehen.

Besonders bekannt wurde die auch von Netflix gezeigte Serie The Untamed. Eine komplexe Geschichte über die Liebe zweier „Kultivierer“, in chinesischer Fantasy eine Art Magier mit Bezug zum Buddhismus, die durch stetige Verbesserung stufenweise aufsteigen, mit dem Endziel der Erleuchtung. Auch wenn The Untamed keinen Kuss geschweige denn Intimität zwischen den beiden männlichen Hauptfiguren zeigen kann, wird durch Blicke und Gesten sowie eindeutige Metaphern doch deutlich, dass die beiden nicht nur gute Freunde sind. Die Serie ist aber noch viel mehr als eine Liebesgeschichte zwischen dem sich stets an Regeln haltenden Lan Zhan, mit seiner großen Disziplin und dem ungestümen Wei Wuxian, der von Regeln gar nichts hält. Die Geschichte ist komplex, zahlreiche Nebenfiguren und die Machenschaften der verschiedenen Clans sowie ein uraltes magisches Artefakt sorgen für eine spannende Geschichte, die moralische Fragen nach richtigem Handeln stellt. Die gutaussehenden und überaus überzeugend spielenden Hauptdarsteller sind in China inzwischen Megastars und Gegenstand zahlreicher Fanfiction. The Untamed ist eine der besten Fantasy-Serien, die ich je gesehen habe, die Dynamik zwischen Lan Zhan und Wei Wuxian sucht ihresgleichen. Auch zwischen den Nebenfiguren gibt es mehrere angedeutete gleichgeschlechtliche Beziehungen.

Sehen kann man die Serie auf Netflix oder viki.com mit deutschen Untertiteln.


Shen Wei (Zhu Yilong) und Zhao Yun Lan (Yu Bai) in Guardian

Wer The Untamed gesehen hat, sucht bald nach weiteren chinesischen Serien, die auf Boys Love-Büchern basieren. Da stößt man schnell auf Guardian. Eine Urban Fantasy-Serie, die von einer sich übernatürlichen Fällen widmenden Polizeieinheit handelt. Zwischen dem Leiter der Einheit und einem mysteriösen Professor, der gleichzeitig auch eine Art Richter der Außerirdischen ist, besteht eine unbestreitbare Anziehung. Auch hier fehlt als Bestätigung einer Liebesbeziehung lediglich ein Kuss. Bei jeder Gelegenheit schmachten sie einander an, sorgen sich umeinander, ja wohnen sogar bald zusammen. Noch dazu kennen sie sich aus einem früheren Leben, und sind quasi füreinander bestimmt. Neben der Liebesgeschichte gibt es auch einige interessante Nebenfiguren und einen spannenden Plot mit einer über der „Monster of the week“ stehenden übergreifenden Handlung. In der Welt von Guardian gibt es zahlreiche übernatürliche Wesen der chinesischen Mythologie sowie die erwähnten „Außerirdischen“. Die chinesische Regierung hat teilweise etwas gegen übernatürliche Elemente und verbietet sie willkürlich. Da geht es eher durch, das Übernatürliche mit Außerirdischen zu erklären. Auch zwischen zwei Nebenfiguren bahnt sich eine Beziehung an. Der schüchterne Neuzugang der Abteilung, der sich anfangs bei jedem Einsatz fast in die Hose macht und dem ihn  beschützenden älteren Kollegen sieht man eindeutig die Funken fliegen, auch wenn es auch hier natürlich nie zu einem Kuss kommt. Man sieht Guardian an, dass es mit einem kleinen Budget auskommen musste, das tut der unterhaltsamen Serie aber keinen Abbruch.

Sehen kann man die Serie auf Youtube oder viki.com mit deutschen. Untertiteln.


Bureau of Transformer


Ganz neu hat mich eine Serie begeistert, die in Sachen queerer Repräsentation ganz neue Maßstäbe setzt und die ich hier noch ausführlicher vorstellen möchte. Bureau of Transformer erzählt zur Abwechslung mal keine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern, sondern eine zwischen einem Mann und einer Person, die im Laufe ihres Lebens das Geschlecht von Frau zu Mann wechselt, denn Ai ist ein*e Aal-Wandler*in (da für Ai in der Serie weiblich Pronomen verwendet werden, habe ich das im Artikel auch getan).

In einer Welt, in der es Menschen gibt, die sich in Tiere verwandeln können, wird der bisher ahnungslose Hao Yun mit einem der „Transformer“ konfrontiert. Normalerweise löscht die Transformer-Polizei das Gedächtnis der Menschen, um das Geheimnis zu wahren. Doch bei Hao Yun funktioniert das Löschen nicht. Nun bleibt ihm nur die Wahl zwischen einer riskanten Gehirn-OP (die ihm mit einer Kettensäge angedroht wird) oder selbst als Ermittler der Polizei anzufangen, immer unter Aufsicht von Ai, die ihn als Partner mit zu Einsätzen nimmt. Dabei stellt er sich als cleverer Ermittler heraus, anfangs noch versucht, abzuhauen, gewöhnt er sich aber immer mehr an die Kollegen, die Welt der Transformer und vor allem an Ai.

Die Serie startet mit einer großen Portion Humor. Schon der Vorspann mit seinem Comic-Stil ist außergewöhnlich. Seien es die Schlägertypen, die den zuvor als Tierarzt arbeitenden Hao Yun drohen, weil er bei der Katze nicht für reinrassigen Nachwuchs gesorgt hat oder die Pups-Explosion einer Fuchswandlerin, die dazu führt, dass die Ermittler bei sämtlichen Fuchswandlern Pups-Proben nehmen müssen, an humorvollen Szenen mangelt es nicht. Dabei macht die Serie eine Stärke aus der Low-Budget-Produktion, verzichtet auf CGI und steckt die Transformer stattdessen in Fell-Kostüme und aufgemalte Masken. Auch die Figuren sind ein großer Pluspunkt. Die Kollegen des Teams haben alle ihre Macken. Sei es der sich in seinen 60ern befindende Chef, der in jeder freien Minute MMOs zockt, der übereifrige Kevin Zhou, der stets mit englischen Wörtern um sich wirft, um cool zu wirken oder die beratende Ärztin und Pathologin des Teams, die ihre Praxis hinter einem Sex-Shop verbirgt, nicht an Beziehungen interessiert ist, sich aber gerne diverse Männer bei der Stange hält. Außerdem ein Fledermaus-Wandler, der Hacker des Teams, der gerne unter der Decke hängt. Hao Yuns Partnerin Ai ist ein Charakter, wie man ihn nicht oft im Fernsehen sieht. Sie mag einen rockigen bis punkigen Look, trägt schwarze Boots, enge Jeans oder Lederjacke, scheut sich nicht vor Prügeleien und hasst es Kleider zu tragen. Das liegt auch daran, dass sie sich unkontrolliert in einen Mann verwandelt, wenn ihr Puls steigt. Denn als Aal-Wandlerin steht Ai kurz davor, ihr Geschlecht für immer zu ändern. Aal-Wandler*innen sollen eigentlich zweimal heiraten, um möglichst viel Nachwuchs zu zeugen. Doch Ai will lieber warten, bis sie ein Mann ist, um keinen Liebeskummer zu erleiden.

Man ahnt, es kommt anders, natürlich funkt es zwischen ihr und Hao Yun. Es ist eine Stärke der Serie, dass Ais Wandlung nie lächerlich gemacht wird (auch wenn es unklar bleibt, warum sie als Mann so viel stärker ist), Hao Yun betont stets, dass er sie bzw. ihn liebt, egal welches Geschlecht Ai hat. Etwas, das Ai schwer glauben kann. Dazu kommt der Druck ihrer Familie, die sich nur dafür interessiert, wie viel Nachwuchs sie zeugt. Ais Mutter und Großmutter, die inzwischen als Männer leben, wollen sie noch als Frau verheiraten. Auch passt sich Ai ihrem Charakter widersprechend an und trägt doch Kleider, was zu einigen schwierigen Situationen führt. Es wäre natürlich schöner, wenn sie einfach sie selbst sein könnte, aber es wird auch deutlich, dass sie unter enormen gesellschaftlichem Druck steht.

Hao Yun (Michael Chen) und Wu Ai Ai (Olivia Wang) beim Einsatz. Als Waffe dient ihnen
eine Art Regenschirm mit Wurfnetz und Betäubungspfeil, oder auch mal ein Pümpel.


Hao Yun ist ebenfalls ein ungewöhnlicher männlicher Held. Bei Gefahr haut er ab, lässt sich von Ai beschützen und braucht eine Weile, bis er sich mehr traut. So humorvoll die Serie beginnt, sie bekommt bald einen ernsteren Ton. Hao Yun umgibt ein düsteres Geheimnis und es taucht ein gefährlicher Gegner auf, der den Ermittlern alles abverlangt. Die Geschichte um Hao Yuns Hund, der lange sein einziger Freund war, ist herzzerreißend. So schleichen sich die Figuren unbemerkt ins Herz der Zuschauer.
Kritisieren kann man, dass in einer Folge nicht sehr feinfühlig mit dem Thema sexueller Übergriff umgegangen wird. Zwar wird deutlich gemacht, dass es nicht okay ist und die Opfer darunter leiden, aber vor allem die Männer des Teams verhalten sich so, wie man es sich von Polizisten in der Situation nicht wünscht. 

Lobenswert ist dagegen, wie einfühlsam mit den queeren Figuren umgegangen wird. Wenn Hao Yun über Gründe nachsinnt, die er vorschieben kann, um Ais Liebe abzuweisen (aus einem Grund, der wohl zur Dramatik beitragen soll), und er „ich bin hetero“ in Erwägung zieht, ist klar, dass das vorgeschoben ist. Zusätzlich gibt es einen Charakter, der immer wieder versucht, sich umzubringen und immer wieder scheitert, weil er unsterblich ist. (Die Serie ist etwas besessen von Suizid-Themen, daher eine deutliche Trigger-Warnung an dieser Stelle), wollen ihn die Ermittler verkuppeln, um ihm aus seiner Einsamkeit zu helfen. Dabei schlagen sie sowohl Männer als auch Frauen vor, was nicht weiter thematisiert wird. Das macht deutlich, dass die Figuren kein Problem mit Homosexualität haben. Am Ende, und hier folgt ein Spoiler, geht Ai einen Weg, der das Thema zensurkonform umgeht, es bleibt etwas offen, ob sie es tut, weil sie sich selbst mehr als Frau identifiziert, oder damit sie ihrer Familie zuliebe mit Hao Yun Kinder bekommen kann. Mit einer Pille hält sie ihre Transformation in einen Mann auf, weiß aber nicht, ob sie nun Frau bleibt, oder intersex wird. Hao Yun wiederum betont, dass er damit überhaupt kein Problem hätte. Lediglich in einigen Szenen wird doch wieder ein heteronormatives Rollenbild heraufbeschworen, wenn Hao Yun etwa anbietet, in der Beziehung mit Ai „die Frau zu sein“, oder sich vorstellt, wie Ai als Mann nur noch Bier trinkend vorm Fernseher sitzt.

Insgesamt ist das Gender-Thema hier aber überraschend feinfühlig umgesetzt. Mich würde interessieren, ob das nichtbinäre Personen auch so sehen.

Mich hat die Serie mit ihrem Humor, den Figuren und der Geschichte begeistert.

Sehen kann man sie Serie auf iq.com mit englischen Untertiteln.


Mittwoch, 16. September 2020

Wo sind die queeren Figuren in der Urban Fantasy?




In den letzten Jahren sind diverse Figuren geradezu ein Trend vor allem bei amerikanischen Fantasy-Jugendbüchern. Kaum noch ein Buch, in dem es nicht mindestens eine queere Figur gibt oder POC-Figuren vorkommen. In Deutschland hat sich der Trend noch nicht ganz so durchgesetzt, auch wenn immer mehr Bücher gerade mit queeren Figuren übersetzt werden und auch zu Bestsellern werden. Doch gerade was Urban Fantasy betrifft, besteht da noch deutlicher Nachholbedarf. Unter Urban Fantasy wird Fantasy verstanden, die in unserer gegenwärtigen Welt spielt, aber phantastische Elemente wie Magie, Vampire, Werwölfe, Wandler, Hexen etc. aufweist. Das Wort Urban verweist darauf, dass diese Geschichten meist in einem städtischen Setting angesiedelt sind.

Hauptfiguren in Urban Fantasy sind meistens entweder heterosexuelle männliche Magier (meistens in denen von männlichen Autoren geschriebenen Reihen wie „Dresden Files“, „Iron Druid“). Während in denen von Frauen geschriebenen Reihen meistens weibliche Heldinnen vorkommen, die am Ende ihren männlichen Partner finden. Abweichungen von diesem Muster gibt es wenige.

Ein Beispiel im Jugendbuch-Bereich für queere Repräsentation im Genre ist die Raven Boys-Reihe von Maggie Stiefvater, in der es in den späteren Bänden auch um einen schwulen Jungen geht, der in der Freundesgruppe von vier Jungs und einem Mädchen in den Fokus gerückt wird. Ronan ist ein schroffer Charakter, der so einige Probleme mit sich selbst hat. Am beliebtesten ist aber wohl die Shadowhunters-Reihe, die ebenfalls sehr diverse Figuren vorzuweisen hat. Die Shadowhunters sind eine Einheit von magisch begabten Wächtern über die übernatürliche Welt. Der pansexuelle Warlock Magnus Bane tritt erstmals in der Mortal Instruments-Reihe auf, ein Halbdämon, der extravagante Kleidung liebt, unsterblich ist und sich in den schüchternen und unerfahrenen Shadowhunter Alec verliebt. Die beiden bekamen sogar ein eigenes Buch. In der Reihe Dark Artifices kommt auch eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen vor, sowie ein Liebesdreieck zwischen zwei Männern und einer Frau, die am Ende eine schöne Lösung findet. Der Erfolg der Reihen zeigt, dass vor allem auch junge Leser queere Figuren gerne lesen. Unter deutschsprachigen Autor*innen hat es das Genre im Jugendbuch ohnehin etwas schwer, wenn die Liebesgeschichte nicht im Zentrum steht. Da muss man sich eher bei kleinen Verlagen und Selfpublishern umschauen. Juliane Seidel hat mit ihrer Nachtschatten-Trilogie um Schutzengel und übernatürliche Jäger nicht nur einen jungen Schutzengel und einen Vampir, die sich verlieben, sondern auch ein lesbisches Werwolf-Pärchen. Außerdem gibt es noch einen pansexuellen Magier. Die queere Repräsentation ist also hoch bei der lesbischen Autorin. In ihrem Einzelband Herz aus Kristall über mystische Wasserwesen, geht es vorrangig um ein lesbisches Paar.

Die Roten Schriftrollen handelt
 von Magnus und Alec

Wenn man jedoch bei Büchern für Erwachsene guckt, steht das Genre in der Literatur weit hinter der Entwicklung von TV-Serien. Buffy war in den 90ern mit der lesbischen Hexe Willow und ihrer Beziehung zu einer Frau Vorreiter. Als eine der ersten Serien zeigte die Serie queere Figuren abseits von reinen Coming-out-Geschichten. Während in weiteren Klassikern des Genre wie Supernatural queere Figuren eher am Rande vorkommen (wie die lesbische Hackerin Charly), setzen Serien wie Lost Girl sogar auf eine bisexuelle Hauptfigur. Succubus Bo hat mit einigen Frauen etwas. Auch Teen Wolf hat in Sachen Repräsentation ordentlich vorgelegt. Sie zeigte eine Reihe queerer Figuren, vor allem schwule. Ab der ersten Staffel waren immer wieder schwule Figuren dabei und es kommen immer neue dazu, zudem spielten zwei inzwischen offen lebende schwule Schauspieler in der Serie mit. Auch bei der Vampir-Serie True Blood gab es so einige queere Figuren und Szenen. Unvergessen, wie sich Jason im Vampirblutrausch nach Eric verzehrt. Zwischen den Vampiren Tara und Pam gab es eine Beziehung und nicht zu vergessen der schwule Koch Lafayette. Dessen Charakter, mit seinem bunten Stil und seiner unverblümten Art hervor stach. Er lässt sich nichts gefallen, ist für seine Freunde da, geht aber auch zwielichtigen Geschäften nach und ist nicht immer nett. Dagegen werden die queeren Figuren in anderen Serien fast immer nur positiv dargestellt.

Neuere Urban Fantasy Serien wie Midnight, Texas, die auch auf Büchern von Charlaine Haarris basiert hat als Hauptfiguren ein Paar aus einem Engel und einem Dämonen. Da verwundert es, dass sich das in der neueren Literatur noch nicht so durchgesetzt hat. Auch die Jugend-Serie Sabrina macht bei der Repräsentation queerer Figuren sehr viel richtig. Nicht nur gibt es einen pansexuellen männlichen POC-Charakter mit diversen Beziehungen zu Männern und Frauen, es gibt außerdem einen trans Mann, der sich im Laufe der zwei Staffeln über seine Gender-Identität klar wird und von allen akzeptiert wird, wie er ist.

Urban Fantasy ist ja eh ein Genre, das mit seinen Vampiren, Werwölfen, Wandlern, Magiern, Hexen und weiteren übernatürlichen Wesen auch immer ein Spiegel unserer Gesellschaft ist. Die magischen Wesen sind oft als diskriminiert dargestellt, die „anderen“, die nicht in die Gesellschaft passen. Meist geht es um die Konflikte, die durch das Zusammenleben von Menschen und Übernatürlichen entstehen. Somit sind die Diskriminierungen von Wandlern und Co oft eine Metapher für Rassismus oder eben auch Homophobie.

Nachtschatten 1

Wenn man auf dem deutschen Buchmarkt nach guter Urban Fantasy mit queeren Figuren sucht, muss man sich bei den Selfpublishern umgucken. Bücher, die von Werwölfen oder anderen Wandlern handeln und bei denen der Fokus auf die Liebesgeschichte gelegt ist, mit Alpha und Omega-Wölfen, zähle ich mal zu einem ganz eigenen Genre. Von diesen Büchern gibt es unendlich viele, da sie sich auch großer Beliebtheit erfreuen. Eher klassische Urban Fantasy, in der es oft um Ermittler in übernatürlichen Kriminalfällen geht, ist dagegen rar. Das liegt wohl auch daran, dass sie nicht so viel gelesen werden. Insbesondere, wenn es sich nicht um „Paranormal Romance“ handelt, bei der die Liebesgeschichte klar im Fokus steht, während Urban Fantasy auch ohne die Liebesgeschichte auskommen sollte. Die Übergänge sind dabei aber fließend und natürlich kann auch in Urban Fantasy eine Liebesgeschichte wichtig sein, es gibt aber dennoch einen Plot, der sich nicht nur um diese Liebesgeschichte dreht. Urban Fantasy führt ohnehin eher ein Nischendasein im Fantasy-Genre, wenn man von den vielen Romance-Büchern über Vampire, Werwölfe, etc. mal absieht. Jedoch bringt das Genre auch immer wieder Bestseller hervor. Alle deutschschprachigen Autorinnen, die ich hier erwähne, sind übrigens Own Voice, in dem Sinne, dass sie in einer Form queer sind, sei es nun bisexuell, lesbisch, pan, asexuell oder non-binary.

Sündenfall Jäger in den Schatten
Als ich meine Lee und Caldwell-Reihe angefangen habe, klassische Urban Fantasy mit etwas Gay Romance versehen, war es vor allem meine Liebe zu Serien wie Buffy oder Supernatural, die mich inspiriert hat. Ähnlich ging es wohl auch Dahlia von Dohlenburg, die mit ihrer Jäger in den Schatten-Reihe sehr empfehlenswerte Urban Fantasy geschrieben hat. Noch dazu spielt die Reihe in Deutschland, was mal eine schöne Abwechslung ist. Es geht um Sebastian, der durch eine Werwolf-Attacke in eine komplexe Geschichte um Dämonen, Werwölfen und Vampiren gerät. Um zu überleben, muss Sebastian im Quartier der Sondereinheit für übernatürliche Fälle einziehen. Dort trifft er auf den Halbdämon Nikolai. Ihre Liebesgeschichte entwickelt sich langsam und steht nicht so sehr im Fokus der Handlung. Auch die anderen Figuren wie die Vampirin Tilda bekommen ihre Perspektive. Im zweiten Band erzählt die Autorin eine berührende und spannende Geschichte über den Kampf des Teams gegen einen Verräter.


Einen ähnlichen Weg geht Sandra Gernt alias Sonja Amatis mit ihrer Code 0-37-Reihe um zwei Ermittler der Londoner Polizei, die sich gegen übermächtige übernatürliche Gegner stellen müssen. Ian wurde gerade nach London versetzt und muss mit dem grantigen Marcus klarkommen, der sonst alle Partner vergrault, denn er hat ein Geheimnis, das er um jeden Preis hüten muss. In der bisher 7-bändigen Reihe gibt es immer wieder neue Fälle. Sie müssen sich mit Yetis, blutenden Statuen oder mächtigen Dämonen herumschlagen. Dabei gibt es aber auch eine übergeordnete Handlung, und Nebenfiguren wie den kleinen Kobold Taubrin oder einen schokoladensüchtigen Dämon, die man schnell ins Herz schließt. Die Liebesgeschichte entwickelt sich auch hier wieder sehr langsam und steht nicht im Fokus. Der Ton ist dabei zwar manchmal auch recht düster und ernst, aber auch immer wieder humorvoll.

Of Courage and Ink 11 Sekunden von Gabriella QueenFailed 1Auf Eis gelegt Code 0-37

Noch mehr Richtung Humor geht Chris P. Rolls Failed-Reihe. Zwar handelt sie von Wandlern, aber abseits von ausgetretenen Alpha-Omega-Wegen. Failed, das ist eine geheime Sondereinheit der Wandler-Polizei. Denn die Mitglieder gelten alle als fehlerhaft. Sie verwandeln sich nur halb oder können ihre Wandlung nicht kontrollieren. In diese Abteilung wird der eifrige Kaninchen-Wandler Louis versetzt, der sonst in der Wandler-Hierarchie als Pflanzenfresser ganz unten steht. Dort trifft er auf den Elite-Agenten Cosmo, der ausgerechnet ein Karnivore ist. Das hindert die beiden aber nicht daran, sich zu verlieben. Dabei wird es auch mal recht erotisch. Chris P. Rolls versteht es, die Wandler mit sehr viel Humor und Liebe darzustellen. Ihre Abenteuer sind dabei aber trotz der satirischen Elemente spannend zu lesen. Hervorzuheben ist auch, dass es mit Merle eine trans Frau unter den Figuren dabei ist. Eine Hackerin und Amsel-Wandlerin. Von Chris P. Rolls stammt außerdem die Reihe Die Anderen, in der es um Dämonen in Lüneburg geht und in der verschieden queere Figuren vorkommen.

Eine Mischung aus Urban Fantasy und Superhelden-Genre ist ist Gabriella Queens Reihe um Menschen mit besonderen Kräften in Of Courage and Ink, im ersten Band 11 Sekunden geht es um Ken, der alles im Leben durchplant, bis er merkt, dass er die Gabe hat, die Zeit zu manipulieren. Er zieht bei einem Event-Zauberer ein, und die beiden bekommen es mit jemandem zu tun, der seine Superkräfte für den eigenen Vorteil missbraucht und dabei sogar über Leichen geht. Die Liebesgeschichte und der spannende Plot halten sich im Roman sehr gut die Waage.

Im Bereich der Gay Romance gibt es noch einige Beispiele für Urban Fantasy-Reihen, wie zum Beispiel Leann Porters Reihe um den schottischen Dämonenjäger Jericho March. Aber auch jenseits dessen gibt es Beispiele für queere Liebesgeschichten. In seiner langen Fortsetzungsreihe Das Erbe der Macht hat Andreas Suchanek etwa eine Beziehung zwischen zwei Jungs dabei. Serena C. Evans schreibt über lesbische Werwölfe in Die Wölfin und ich und Tina Skupin in ihrer Novelle Wild Hunt Casino über queere Elfen und die Wilde Jagd in Las Vegas. Dabei kommen vielfältig queere Charaktere vor. Das ist aber leider eine Ausnahme.

Denn wenn es mal nicht um schwule oder bisexuelle cis Männer gehen soll, muss man lange suchen. Trans Figuren aber auch lesbische oder bisexuelle weibliche Figuren sind leider recht rar gesät. Auch nicht binäre, intersex oder asexuelle Figuren sucht man zumindest auf den deutschen Buchmarkt lange. Vor allem, wenn es keine Neben- sondern Hauptfiguren sein sollen.

Es wundert leider nicht, wenn man mit  Autor*innen spricht, denn sogar im noch beliebteren Genre der Gay Romance berichten alle davon dass sich Fantasy schlecht verkauft. Autor*innen, die vom Schreiben leben, brechen dann Reihen ab oder geben das Genre wieder auf. Ein Problem dabei ist wohl auch, dass Bücher mit einer Liebesgeschichte zwischen zwei Männer immer als Romance bezeichnet werden, auch wenn es gar nicht die Genrekonventionen von Romance erfüllt und die Liebesgeschichte nur eine kleine Rolle spielt. So gehen Bücher, die auch von Leser*innen, die kein Romance mögen, gemocht werden könnten, unter. Romance-Liebhaber kaufen die Bücher wiederum weniger, weil sie eher noch mehr Liebe möchten. Andererseits müssen Leser*innen, die gerne über queere Figuren lesen, diese bei den Büchern aus großen Verlagen, in denen es ab und zu mal queere Nebenfiguren gibt, erstmal finden. Vor einer Weile suchte eine Lektorin der Fantasy-Abteilung beim Knaur-Verlag über Twitter nach Urban Fantasy mit diversen Figuren, fand aber kein geeignetes Manuskript. Viele Autor*innen wiederum denken wohl, dass sie mit einem Buch mit queeren Hauptfiguren bei einem großen Verlag eh keine Chance haben, und veröffentlichen von vornherein im Kleinverlag, Selfpublishing oder auf Online-Plattformen. Selfpublishing bietet natürlich noch viele andere Vorteile, weshalb ich mich auch dafür entschieden habe. Andere Autor*innen reicht es, wenn ihre Texte einfach nur gelesen werden. So veröffentlicht zum Beispiel Alex von alpakawolken.de siere Roman mit einem queeren Cast bisher nur Online.

Dabei beweisen ja die Erfolge von den vielen Serien und der Shadowhunters-Reihe, dass Leser*innen Fantasy-Bücher mit queeren Figuren lesen, vor allem junge Leser sie sogar wünschen. Es ist Zeit, dass das Genre in der Literatur auch da ankommt, wo es im Serienformat schon lange ist.


Kennt ihr gute Urban Fantasy mit queeren Figuren? Dann schreibt es gerne in die Kommentare.

Montag, 13. Juli 2020

Ich bin bei Patreon



Schon länger habe ich darüber nachgedacht, jetzt habe ich es einfach gemacht. Ich habe mir einen Patreon-Account angelegt. Das heißt, ihr könnt mich dort jetzt unterstützen und erhaltet Zugriff auf exklusive Inhalte.
Patreon ist eine Seite, die es ermöglicht unkompliziert Künstler zu unterstützen. Ihr könnte zum Beispiel einen Euro im Monat geben, oder zehn. Je nachdem erhaltet ihr Goodies, wie exklusiven Einblick in meinen Schreibprozess, meine neu erscheinenden Ebooks oder signierte Taschenbücher.


Seit drei Jahren bin ich hauptberuflich freie Autorin. Das ist nicht immer leicht. Bis Februar hatte ich noch einen Nebenjob, ohne geht es bei mir noch nicht ganz. Ich möchte aber am liebsten nur noch Bücher schreiben. Leider kann ich durch meine chronische Schmerzerkrankung nicht so viel arbeiten, wie ich gerne möchte. Ein normaler Vollzeitjob funktioniert für mich gar nicht. Schreiben ist genau das, was ich machen möchte und ermöglicht mir, ein möglichst stressfreies Leben zu führen, was mir wiederum hilft, gesund zu bleiben.

Was bringt es euch, mich zu unterstützen? Ganz einfach, neben den erwähnten Goodies werde ich durch eure Unterstützung ein wenig unabhängiger, und müsste nicht so viel in einem anderen Job arbeiten (bisher als Redakteurin/Journalistin).

Mein Ziel für nächstes Jahr ist es, dass es ohne Nebenjob klappt und ich noch mehr schreiben kann. Dafür müsste ich vier Bücher im Jahr veröffentlichen.
Jeder der mich unterstütz, erhält meine ewige Dankbarkeit.  😃

Samstag, 16. Mai 2020

Neuerscheinung: Hexenerbe



Hexenerbe ist erschienen. An diesem Buch habe ich länger gearbeitet als geplant, aber schließlich ist es doch fertig geworden. Und darum geht es:

Jessie hat gerade erst erfahren, dass sein Vater noch lebt. Jetzt soll er Wochen bei ihm in Australien verbringen, um seine magischen Fähigkeiten als Feuerelementar zu erlernen. Doch kaum ist Jessie im Outback angekommen, tauchen Hexen auf, nach denen sein Vater seit Jahren sucht. Dann wird auch noch Allans in Melbourne lebende Cousine So-ri von den Hexen entführt. Jessie ist sofort bereit zu helfen und gemeinsam versuchen sie So-ri zu retten. Doch dafür müssen sie ein magisches Buch finden, ein mächtiges Artefakt, das die Hexen auf keinen Fall in die Finger bekommen dürfen. Denn damit könnten sie sich ganz Australien unterwerfen. Doch nur im Tausch für dieses Buch lassen sie So-ri frei.

Mittwoch, 13. Mai 2020

Lee und Caldwell geht weiter ...


Es ist jetzt schon drei Jahre her, dass Feuererbe, der erste Band der Lee und Caldwell-Reihe erschienen ist. Lange wusste ich nicht, ob ich überhaupt einen zweiten Band schreibe. Jetzt habe ich es getan und er erscheint in wenigen Tagen. In "Hexenerbe" geht es nach Australien, wo Jessie und Allan es mit fiesen Hexen zu tun bekommen.
Wenn ihr den ersten Band nun schon vor einer Weile gelesen habt und keine Lust habt, ihn nochmal zu lesen, helfe ich euch gerne auf die Sprünge. Es ist nicht notwendig, sich an alles aus dem ersten Band zu erinnern. Der zweite erzählt eine neue Geschichte. Aber einige Dinge aus dem ersten Band werden natürlich erwähnt und ich wollte nicht alles komplett neu erklären. Außerdem knüpfen die Beziehungen der Figuren natürlich aneinander an.

Wenn ihr euch ganz ganz sicher seid, dass ihr die Zusammenfassung lesen wollt, dann klickt jetzt hier weiter. 😉


Freitag, 15. November 2019

Buch Berlin - mit den Nordlichtphantasten



Das erste Mal seit 3 Jahren bin ich wieder auf der Buch Berlin.  Diesmal sogar mit eigenem Stand, bzw. mit am Stand der Nordlichtphantasten. Ich schreibe ja auch Fantasy und möchte gerne noch viel mehr Fantasy schreiben. Seit einigen Jahren gehe ich zum Fantasy-Stammtisch in Hamburg, wo sich viele Fantasy-Autoren treffen. Gegründet wurde der Stammtisch von Ann-Katrhin Karschnick. Wir kennen uns schon lange über das Fantasy-Autorenforum den Tintenzirkel. Mit dabei an unserem Stand auf der Buch Berlin sind außerdem Hanna Nolden, Markus Heitkamp, Calin Noell, Madeleine Puljic und Sarah Stoffers. Zusammen mit einigen anderen Autoren wie Matthias Teut, Janika Hoffmann, Nils Krebber und Nicole Zoellner. Gemeinsam gehen wir auf Messen und Cons und veranstalten Lesungen in Hamburg.

Ich bin natürlich nicht nur mit meinem bisher einzigen Fantasybuch "Feuererbe" dabei. Auch alle meine anderen Bücher, die es als Taschenbücher gibt, werde ich dabei haben und sie euch natürlich gerne signieren. Ich freue mich sehr, wenn ihr vorbeikommt. Unser Stand wird wohl nicht zu übersehen sein und hat die Nummer D13. Ich freue mich über jeden, der vorbeikommt und mich anspricht.

Neuerscheinung: Ein Fan zum Verlieben

Mein neues Buch "Ein Fan zum Verlieben" ist schon ein bisschen draußen. Die Taschenbücher dazu gibt es jetzt auch, zunächst nur auf Amazon. Ich werde mich aber nächstes Jahr mal daran machen, meine Bücher auch auf anderen Platformen anzubieten. Die meisten nehme ich dann auch aus Unlimited raus. Wenn ihr sie noch darüber lesen wollt, solltet ihr die Chance noch nutzen.

Ein Fan zum Verlieben ist ein besonderes Buch. Angefangen habe ich es schon 2016. Ich hatte die Idee für eine Geschichte über einen ehemaligen Pornostar, der sich aber jetzt von der Szene distanziert und eine Teenie-Tochter hat, der auf einen Fan trifft schon lange im Kopf. Aber mir fehlte eine Handlung. Eine Geschichte muss ja immer auch ein bisschen spannend sein. Nun habe ich diese Geschichte endlich veröffentlicht und ich hoffe, ihr mögt Mischa und Erik so sehr wie ich.