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Montag, 16. November 2020

Lesetipp: 10 Queere Webcomis

Ausschnitt aus Regina Mars' Cover zum Roman "Das Monster im 5. Stock". Die Autorin ist auch Comiczeichnerin.


In letzter Zeit stehe ich total auf Comics bzw. Graphic Novels. Tat ich eigentlich schon immer, aber ich komme selten dazu, welche zu lesen. Ich gebe zu, dass ich mir in der Bibliothek eigentlich nur noch eBooks und Hörbücher online ausleihe. Richtige Comics lese ich aber lieber als Buch anstatt klein auf dem Smartphone. Dann habe ich Tower of God als Anime gesehen und musste weiterlesen. So habe ich Webtoon und Tapas entdeckt, wo man zig tolle Comics weitgehend umsonst lesen kann (auf Englisch). Wer die neuesten Folgen sofort lesen möchte, kann die Autor*innen unterstützen und dafür zahlen. Viele Comiczeichner*innen verdienen damit ihren Lebensunterhalt. Außerdem finde ich es witzig, die Kommentare anderer Leser*innen zu lesen, die genauso mitfiebern und oft zur Unterhaltung beitragen.

Neben tollen Fantasy-Geschichten wie Tower of God (welches leider gerade pausiert) oder unOrdinary und Eleceed, die ich gerade verfolge, gibt es dort aber auch viele tolle queere Geschichten. Die möchte ich euch ans Herz legen, weil ich sie alle einfach großartig finde. Außerdem war ich überrascht über das Spektrum und die Diversität der Figuren. Da ist bei den Comics wohl angekommen, was ich bei Romanen manchmal vermisse. BIPoC-Figuren sind so gut wie in jedem Comic zu finden, außerdem oft Figuren mit Behinderungen und nicht immer nur super gut aussehende schlanke Figuren.

Ein Tipp: Lest die Comis auch mal auf einem großen Bildschirm. Tablet, Laptop oder noch besser übertragt sie auf den Fernseher bzw. großen Bildschirm. Dann ist es fast so, als würde man einen Anime gucken. Einige der Geschichten haben sogar Musik integriert.

Die Comics, die ich vorstelle sind leider alle bisher nur auf Englisch verfügbar. Bis auf wenige Ausnahmen sind sie noch nicht abgeschlossen. Viele Zeichner*innen machen das neben ihrem Hauptjob und verdienen damit nur wenig. Ich finde, dass es sich trotzdem lohnt, die Geschichten schon zu lesen und die Autor*innen damit zu unterstützen, weiterzumachen. Bei den meisten Comics erscheinen wöchentlich neue Panels.


1. Acception von Coco Ouwerkerk (queer, trans)

Acception ist eine Highschool-Geschichte über eine Gruppe queerer und nerdiger Freunde. Hauptfigur ist Arcus, der einen Modeblog betreibt und damit viele Follower erreicht. Sogar die beliebte Mädchen-Clique hört auf seinen Rat. Doch sie ahnen nicht, dass der sich immer bunt kleidende Arcus dahinter steckt. Denn der möchte nicht wegen seiner Berühmtheit Freunde finden. Statt mit der In-Clique freundet er sich lieber mit dem Goth-Mädchen Maude an. Man könnte nun vermuten, dass Arcus schwul ist, doch das ist er nicht. Seine Sexualität wurde noch nicht eindeutig geklärt, doch er verliebt sich in ein Mädchen. Doch es gibt andere queere Figuren wie das trans Mädchen Lola und die lesbische Schwester der beliebten Iris. Besonders schön ist, dass alle Figuren sich entwickeln und ihre Stärken und Schwächen haben. So merkt Iris nach und nach, dass ihre sogenannten Freundinnen, sie schnell im Stich lassen, wenn sie mit Brille und Zahnspange nicht mehr ihrem Schönheitsideal entspricht. Außerdem hat der pickelige Bruder von Maude ungeahnte Stärken. Es gibt zwar einige sich anbahnende Beziehungen, Freundschaften stehen aber im Vordergrund. Es geht um die kleinen und großen Dramen der Teenie-Zeit, aber das so wohltuend erzählt, dass man die Figuren einfach lieben muss.

Link

Sonntag, 19. Juni 2016

Imperia - Im Schatten des Drachen von Laurin Dahlem

Klappentext:

Der junge Landadlige Hao hat nur ein Ziel: der Kaisergarde beizutreten und dem Kaiserreich im Kampf gegen die rebellischen Yin beizustehen. Als sich sein Wunsch endlich erfüllt, ist sein Leben scheinbar perfekt. Doch bald schon kommen ihm erste Zweifel am unerbittlichen Regime des Kaisers, der alle Yin brutal auslöschen lässt. Bevor er sich versieht, wird Hao in ein Machtspiel aus Verrat, Intrige und Mord am Kaiserhof hineingezogen. Und dann ist da noch der geheimnisvolle Kyu-Sung, Bastardsohn des Kaisers, der Gefühle in Hao weckt, die er sich lange nicht eingestehen will.


High Fantasy mit schwulen Figuren findet man genauso selten wie Fantasy mit asiatisch inspiriertem Setting. Ich liebe beides, also musste ich Imperia - Im Schatten des Drachen natürlich lesen, zumal ich den Autor kenne und schon einiges von ihm gelesen habe.
Imperia spielt in einer Welt, die mich an die von mir geliebten chinesischen Historienfilme erinnert haben, mit Elementen der asiatischen Sagenwelt. Und es erzählt eine ebenso epische und dramatische Geschichte über zwei Männer, die in einen Krieg verwickelt werden, bei dem es schwer ist, die Guten von den Bösen zu unterscheiden.
Von Anfang an hat mich die hohe Qualität des Textes beeindruckt, in meinen Augen hat sich der Autor sehr gesteigert.
Die Hauptfigur Hao ist ein junger Mann, der unbedingt in die Kaisergarde eintreten möchte, wie sein Vater. Dies ist sein größter Traum, dafür lebt er, dafür kämpft er. Warum er seinen Vater lange nicht gesehen hat und warum er keine Einladung zur Prüfung der Kaisergardenanwärter erhalten hat, hinterfragt er kaum. Als er zufällig seinem Idol, dem Bastardsohn und Kaisergardisten Kyu-Sung begegnet, ist er sofort fasziniert von ihm. Etwas verbindet beide gleich miteinander, etwas, was eigentlich gar nicht sein dürfte.
In dieser Welt hat jeder Mensch einen Lebensgeist, ein Wesen, das für andere unsichtbar ist, ein Freund, der einen immer begleitet. Aber die Geister, die hier Ankh-Nasgath genannt werden, können auch kämpfen. Haos Geist ist ein lustiger kleiner Drache, Kyu-Sungs ein bedrohlicher Kampfgeist. Und beide können sie den Ankh-Nasgath des anderen sehen, etwas, was sonst nie möglich ist.
So führt sie das Schicksal zusammen und sie entwickeln Gefühle füreinander. Doch das ist nur ein Teil der Handlung. Man ahnt früh, dass im Kaiserreich nicht alles zum Besten steht, dass Hao etwas sehr naiv ist in seinem Glauben an die Garde. Denn bald erfährt man, dass die Garde das Reich unterdrückt und viele Menschen sich gegen sie organisieren. Vor allem die Yin, die von der Garde gejagt werden. Ihre Form der Magie erachten sie als gefährlich. Vor langer Zeit waren sie die Herrscher des Landes. Und Hao muss sich entscheiden, auf welcher Seite er kämpfen will.
Imperia ist ein Buch über die Einsicht, dass jeder Kampf zwei Seiten hat und über Macht - die Macht des Einzelnen, über die Macht der Elite und die Macht des Volkes. Aber es ist auch ein Buch über die Macht der Liebe.

Bild aus dem Film Curse of the Golden Folwer. Imperia hat mich sehr an diese Art von Filmen erinnert.

Ich hatte lange mit einem anderen Ende gerechnet und möchte hier nicht zu viel verraten. Es bleibt das ganze Buch über spannend, da es immer wieder neue Wendungen gibt. Anfangs hatte ich ein wenig Probleme mit den Figuren warm zu werden. Hao hätte ich öfter gerne mal wachgerüttelt. Er bleibt sehr lange sehr naiv, während Kyu-Sung nicht von seinem starren Glauben abweicht und er mir nicht unbedingt sympathisch war. Aber ihr Verhalten ergibt für beide einen Sinn, sie werden dadurch bestimmt, wie sie aufgewachsen sind und wegen der detailliert gezeichneten fantastischen Welt habe ich das Buch dennoch sehr gerne gelesen.
Imperia ist ein spannendes Fantasybuch nicht nur für Gay Romance Fans. Da bleibt mir nur zu sagen: bitte mehr davon.

Takeshi Kaneshiro in Red Cliff. Wäre er nicht ein guter Kyu-Sung? Und als Hao könnte ich mir Jay Chou vorstellen.


Zum Autor: Der Autor Laurin Dahlem lebt, arbeitet, liest und schreibt in Süddeutschland. Die phantastischen Welten der Literatur sind seine große Leidenschaft, und er wird nicht müde, sich immer wieder neue auszudenken.

Außerdem erhältlich:
Kuss aus Asche, Ein Trainer mit gewissen Vorzügen

Freitag, 13. Februar 2015

Rezension: Das Faustus-Insitut von Tim Spohn


Ich durfte diesen Roman von Tim Spohn testlesen, deshalb fällt es mir etwas schwer, darüber eine objektive Rezension zu schreiben. Aber da ich ihn unbedingt empfehlen möchte, muss ich einfach etwas dazu schreiben.
Noah glaubt, dass er verflucht ist, denn alle Menschen, die ihm nahestanden - seine Eltern, seine beste Freundin, sein erster Freund – starben bei seltsamen Unfällen. Deshalb lässt Noah niemanden mehr an sich heran und lebt ein einsames Leben in Berlin. In seinem Spieleladen taucht plötzlich der gutaussehende Lucas und die kühle Lis auf. Als sie dann auch noch bei seiner Arbeit im Callcenter erscheinen, fühlt Noah sich verfolgt. Ein Wesen wie aus alten Mythen ist hinter ihm her und Noah und Lucas können ihm gerade noch entkommen. Es stellt sich heraus, dass Lucas und Lis vom Faustus-Institut geschickt wurden, um Noah zu beschützen, denn das war nicht das einzige Wesen, das hinter ihm her ist. Eine mächtige Dämonin hat es auf ihn abgesehen.
Bald muss Noah sich nicht nur damit auseinandersetzen, dass es solche Wesen wirklich gibt, er merkt auch immer mehr, dass er Gefühle für Lucas entwickelt und ihn viel zu nahe an sich heranlässt. Um der Dämonin zu entkommen und wieder Freundschaften zulassen zu können, muss Noah dem Geheimnis seines Fluchs auf die Spur kommen.
Der Debut-Roman von Tim Spohn bietet unterhaltsame Urban Fantasy mit interessanten Figuren. Sein Stil liest sich sehr flüssig aber nie zu einfach. Noah ist eine interessante, innerlich zerrissene Figur und ich bin gespannt, wie er sich in den Fortsetzungen noch entwickeln wird. Der Roman ist als Reihe angelegt und so liest er sich als ein typischer Anfang einer längeren Geschichte.
Es gibt einige überraschende Wendungen im Plot. Meine einzige Kritik ist, dass die Spannung in der Mitte etwas nachlässt und erst am Ende richtig Fahrt aufkommt. Wer gerne Gay Romance mit einem richtigen Plot liest, ist hier richtig. Es ist hier eher so, dass die Liebesgeschichte (noch) nicht im Vordergrund steht, und das fand ich mal ganz erfrischend. Man liest leider selten abseits des Romance-Genre Fantasy, in denen die Figuren einfach zufällig schwul sind. Daher dürften auch Leser die keine Romance lesen gefallen am Roman finden. Insgesamt ein gelungenes Debut, auf dessen Fortsetzung ich gespannt warte.

Montag, 7. Juli 2014

Think of England von KJ Charles


Durch die  Magpie-Serie bin ich ein Fan von KJ Charles geworden. Daher habe ich Think of England schon länger sehnsüchtig erwartet.
Diesmal gibt es keine magischen Elemente, dafür eine tolle Spionage-Story. Im edwardianischen England um 1904 begibt sich der im Krieg verwundete Archie Curtis zu einer Landparty. Er hat aber kaum im Sinn, sich dort zu amüsieren. Vielmehr möchte er aufklären, ob die defekten Pistolen, die viele seiner Kameraden im Krieg getötet haben und ihn selbst die Hand zerschmettert, ein Unfall waren oder ob Absicht dahintersteckte. Sein Verdacht fällt auf den reichen Mr Hubert, der mit dem Waffengeschäft zu tun hat. Dessen junge Frau hat neben Archie auch noch einige weitere illustre Gäste eingeladen. Bei der ersten Begegnung mit Daniel da Silva, kann Archie gar nichts mit ihm anfangen. Der auffällig gekleidete leicht dunkelhäutige portugiesische Jude, der Gedichte schreibt und und keinen Hehl aus seiner "Queerness" macht, ist ihm suspekt. Doch als er Da Silva unter anderen Umständen kennen lernt, wird schnell deutlich, nicht alles an ihm ist, wie es scheint.
Zu Beginn ist noch nicht ganz klar, wer eigentlich der Love Interest ist und ich hatte ein wenig Probleme mit den vielen Nebenfiguren und ihren Namen. Doch KJ Charles schafft es, die Atmosphäre der Landparty so einzufangen, dass man sich sofort in die Zeit versetzt fühlt, ohne einen mit Details zu erschlagen.
Es wird immer deutlicher, dass hier mehr als eine Person versucht, etwas zu verbergen. Viel mehr will ich vom Inhalt nicht verraten, sonst würde ich spoilern.
Ganz besonders gut gefallen hat mir im Roman die Figur des Daniel da  Silva. KJ Charles schreibt, dass sie sehr viel Pulp-Literatur aus der Zeit liest, wo Juden oder Ausländer häufig als böse dargestellt werden. Es ist erfrischend, hier eine Figur zu haben, die anders ist, als man sie in historischen Romanen sonst antrifft. Daniel ist intelligent, hat in Deutschland studiert und er kennt bereits das damals erst aufkommende Wort "homosexuell". Er hat eine einmalige Art, mit seiner aufgesetzten Flamboyanz zu provozieren und zwischen ihm und Archie gibt es einige wunderbare Dialoge. Archie bildet zu Daniel einen schönen Kontrast. Obwohl er bisher nur sexuelle Kontakte zu Männern hatte, kam ihm noch nicht in den Sinn, sich als queer zu sehen oder dass er sich gar in einen Mann verlieben könnte. Sein Charakter ist sehr geradlinig, ein Soldat, der verwundet einen neuen Sinn im Leben sucht. Als Figur konnte er für mich aber nicht ganz mit da Silva mithalten.
Daneben gibt es auch noch zwei interessante weibliche Nebenfiguren, vor allem die resolute Miss Merton, die Archie bei der Aufklärung des Falls hilft.
Das einzige Manko am Text war für mich, dass die Spionage-Geschichte etwas zu kurz kam. Es gibt einige Action-Szenen, Schießereien, etc. Aber obwohl der Roman als Einzelband angelegt sein soll, hat man das Gefühl, sofort weiterlesen zu wollen. Man möchte wissen, wie sich die Beziehung der Figuren entwickelt, die am Ende des Buches erst beginnt und wie Archie seine Identität akzeptiert. Immerhin hat die Autorin angekündigt, jetzt auch eine Fortsetzung schreiben zu wollen. 
Insgesamt ist Think of England eine schöne Romanze mit Spionage-Anteil, die Elemente aus der Pulp-Literatur der Zeit neu interpretiert.
Think of England ist übrigens ein Sprichwort, dass so viel heißt wie denk an dein Land, tue es für England. Eigentlich heißt es "lie back and think of England" und bezieht sich auf Frauen, die, um Kinder für England zu bekommen, den Sex mit ihren Männern ertragen sollten.
Nach diesem Text wird man jedenfalls nicht mehr die Worte "Think of England" lesen oder hören können, ohne breit zu grinsen.

Samstag, 2. November 2013

Maurice von E. M. Forster

Vor einigen Jahren habe ich die Verfilmung des Buches gesehen und war nicht wirklich begeistert. Damals war mir auch noch nicht so sehr bewusst, welche Bedeutung das Buch und der Film hatten. Eine schwule Liebesgeschichte Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, mit einem Happy-End. So etwas gibt es ja sonst sehr selten. Aber immer noch ist der Film in meiner Erinnerung trotz Hugh Grant in einer der Hauptrollen keiner der besseren Queerfilme. Denn für meinen Geschmack ist der ästhetische Stil des Films zu sehr eine Ästhetik der Achtziger, sehr distanziert von den Figuren.
Nun, da ich auch das Buch gelesen habe, gefällt mir dieses weitaus besser, wie es ja oft der Fall ist, wenn sich innere Entwicklungen schelcht in Filmsprache übermitteln lassen.
Maurice  ist ein ganz normaler Internatsschüler, von gelegentlichen Schwärmereien für Mitschüler einmal abgesehen. Forster beschreibt ihn in allem als mittelmäßig und unauffällig. Dann kommt Maurice zum Studieren nach Cambridge. Er freundet sich rasch mit dem intelligenten Clive an, und bald verbindet sie eine tiefe Freundschaft. Clive, der sich mit Philosophie und Literatur beschäftigt, ist sich seiner Neigung zu den "Griechen"  schon länger bewusst. Er gesteht Maurice seine Liebe, doch dieser obwohl er schon weiß, dass er Clive ebenfalls liebt, reagiert zunächst schockiert. Damals war Homosexualität nicht nur ein Tabu, es hätte zum gesellschaftlichen Ausschluss geführt, hätte jemand davon erfahren. Doch Maurice und Clive finden schließlich zueinander, wenn sie sich auch körperlich nie wirklich nahe kommen. Für Clive ist die platonische Liebe die höchste Form. Über Jahre besteht diese intensive Freundschaft, bis Clive plötzlich meint, dass er Maurice nicht mehr liebt und eine Frau heiratet.


Maurice ist tief verletzt und kann Clives Abweisung lange nicht akzeptieren. Erst allmählich wird ihm bewusst, dass seine Beziehung zu Clive nie das war, was er sich erträumt hat. Er hofft, er könnte ebenso wie Clive auch Frauen lieben, wenn er sich von einem Hypnotiseur behandeln lässt.
Erst die Erfahrung der körperlichen Nähe zu einem einfachen Wildhüter lässt Maurice erkennen, dass mit ihm nichts falsch ist und dass es für ihn möglich ist, eine glückliche Beziehung mit einem Mann zu führen.
Es ist dieses glückliche wenn auch recht offene Ende, dass das Buch so besonders macht. Zur damaligen Zeit wäre es undenkbar gewesen, dieses Buch zu veröffentlichen, so dass es erst nach Forsters Tod an die Öffentlichkeit kam. Es ist also ein Buch, das Foster zunächst für sich selbst schrieb. Ein wenig meint man es ihm anzumerken. Forsters Stil ist etwas weniger ausgereift als in seinen anderen Werken, er verfügt jedoch über ein Talent, die inneren Wandlungen seiner Figuren nachzuzeichnen, dass man sie sich plastsisch vorstellen kann. Maurice ist nicht unbedingt der sympatischte Protagonist. Nicht überaus intelligent, er hat keine großen Ambitionen für sein Leben, er behandelt seine Mutter und seine Schwester nicht immer gut und blickt auf die unteren Klassen herab. Damit ist er aber auch eine realistische Figur für seine Zeit. Clive ist am Ende der, der sich selbst verleugnet, der als langweiliger Gutsherr dasteht, der seine Frau nicht liebt und nie begreift, dass er mit Maurice eine erfüllte Beziehung hätte führen können.
Das Buch ist ein Schlag gegen die damaligen Moralvorstellungen und ein Plädoyer, sich sein Glück zu nehmen, auch wenn es bedeutet mit allen gesellschaftlichen Konventionen zu brechen.

Sonntag, 7. Juli 2013

Edward van de Vendel: Die Tage der Bluegrass-Liebe - Buchrezension

Die Tage der Bluegrass Liebe ist zuerst als Spring wenn du dich traust bei Carlsen erschienen, der neue Titel ist aber eine Übersetzung des Originals und passt auch viel besser zum Buch.

Tycho hat gerade die Schule abgeschlossen und möchte ein Jahr lang erst einmal Pause machen. Von seiner Heimat Amsterdam fliegt er in die USA, um dort in einem Feriencamp für Kinder als Junior Asistant zu arbeiten. In der Little World, wie das Camp heißt, sind alle freundlich und nett zueinander, es ist ein kleines Paradies abseits der Welt.
Als Tycho sich dann Hals über Kopf in einen anderen Junior Asistant aus Norwegen, Oliver, verliebt, bringt ihn das ziemlich durcheinander. Schon bald verbringen sie keine Minute mehr ohne den anderen. Doch sie können nicht ewig in ihrer Little World bleiben.
Viel mehr kann ich gar nicht zum Inhalt des Buches sagen, ohne zu viel zu verraten. Das Coverbild passt wie ich finde besser zur Geschichte als das niederländische Original, die beiden lächelnden Jungen, die bunte Schrift, Bluegrass  - das lässt einen an heiße glückliche Sommernächte denken. Es ist ein Buch über das erste richtige Verliebtsein, die intensive kurze Zeit. Insgesamt war die Geschichte selbst für die 190 Seiten etwas dünn, aber das macht nicht viel aus, denn es ist vor allem der Stil des Autors, der mich für das Buch einnimmt. Es ist ein sehr klarer schnörkelloser Stil, kurze Sätze, die immer genau das beschreiben, was die Figuren fühlen. Dabei wirkt der Stil jedoch nie zu einfach oder zu sehr nach Jugendsprache, im Gegenteil, er ist erstaunlich anspruchsvoll für ein Jugendbuch. Edward van de Vendel wurde bereits dreimal mit dem niederländischen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Er schreibt überwiegend Kinderbücher, aber seine anderen Jugendbücher, insbesondere die Fortsetzung zu Die Tage der Bluegrass Liebe: Die langen Nächte der Stille, werde ich sicherlich auch noch lesen.

Das Buch erschien 1999 im Original und 2001 bei Carlsen in Deutsch. Taschenbuch, 192 Seiten.
Leider scheint es das Buch nur noch als eBook und gebraucht zu geben.

Mittwoch, 15. Mai 2013

"Will und Will" von John Green und David Levithan - Buchrezension

Dieses Buch stand schon ewig auf meiner Liste und nachdem es mir von mehreren Leuten empfohlen wurde, habe ich es endlich gelesen. Will und Will (orignial: Will Grayson Will Grayson) von den bekannten Autoren John Green und David Levithan handelt von zwei Jungen, die beide Will Grayson heißen, aber zunächt nicht in Kontakt stehen. Doch sie haben einiges gemeinsam.
Der eine Will Grayson ist vielleicht in Jane verliebt, vielleicht auch nicht, er kann sich nicht recht entscheiden. Sein bester Freund Tiny macht es ihm auch nicht gerade leichter, in dem er versucht, sie zu verkuppeln. Tiny ist riesengroß, schwul, und ständig in einen anderen verliebt. Er plant ein Musical über sein eigenes Leben und über das von Will, auch wenn Will darin lieber gar nicht vorkommen würde. Sein Motto lautet Klappe halten und nichts an sich ranlassen. Nur muss er diese Regeln brechen, wenn in seinem Leben etwas passieren soll.
Der andere Will Grayson ist schwul, aber das soll nicht einmal seine einzige "Freundin" Maura wissen. So richtige Freunde sind sie eigentlich gar nicht, sie warten nur am Schultor aufeinander und Maura nervt ihn mit ihren Fragen, denn eigentlich haben sie doch gar nichts gemeinsam, außer dass sie Außenseiter sind. Will tut alles, damit andere ihn nicht mögen, aber vor allem mag er sich selbst nicht. Er hat Depressionen, nimmt Medikamente, die das ein wenig eindämmen. Sein einziger Lichtblick ist Isaac. Das Problem ist nur, dass er Isaac noch nie in echt begegnet ist, obwohl sie seit einem Jahr miteinander chatten. Dann kommt endlich der Tag, an dem er Isaac treffen wird. Man ahnt, dass das nicht gut gehen kann.
Als sich die beiden Will Graysons dann zufällig begegnen, bringt das ihrer beider Leben durcheinander. Beide Wills erfahren, wie es ist, sich zu verlieben, was es heißt, an einer Freundschaft zu arbeiten und dass es manchmal einfach nur darum geht die Wahrheit zu sagen.
Dass das Ende dann super zuckrig ist, erwartet man von David Levithan und John Green einfach, damit verrate ich jetzt nicht zu viel. Anders als in Noahs Kuss ist der Weg dahin aber mit einigen Steinen gepflastert, die Depressionen des einen Will lösen sich nicht einfach in Luft auf und beide Wills haben eine große Entwicklung durchgemacht. Sie sind Figuren, die Schwächen haben, die man aber gerade deswegen mag, genau wie Tiny. Die 378 Seiten täuschen, das Buch liest sich sehr schnell durch, die Dialoge sind sehr großzügig gedruckt. Ein schönes Jugendbuch, das Mut macht und viele unterschiedliche Identifikationsfiguren bietet.
Ich freue mich jetzt jedenfalls schon auf das neue Buch von David Levithan.

Altersempfehlung: ab 13
Will und Will ist 2012 bei cbt erschienen.

Montag, 13. Mai 2013

Lara Möller: "Dark Desires - Im Bann der Unsterblichkeit" Buchrezension

Ich habe mir jetzt vorgenommen, schwule Vampirstorys zu lesen, vielleicht bringt mich das ja in Stimmung, meine eigene mal weiterzuspinnen. Die erste auf meiner Liste war Dark Desires von Lara Möller.
In Melbourne treibt eine blutrünstige Vampirin ihr Unwesen und bringt damit die Deckung aller Vampire in Gefahr. Der Barkeeper Jethro wird in die Intrigen der Vampire hineingezogen, als sich die junge Vampirin, die ihr Verlangen nicht kontrollieren kann, ihre Opfer in seiner Bar sucht. Sein Leben ist zu diesem Zeitpunkt von Routine bestimmt. Doch dann ist da diese seltsame Begegnung mit einem Mann, an die er sich nur vage erinnert. Doch eigentlich sollte er sich nach der Gedächtnispamanupulation durch den uralten Vampir Devon gar nicht an ihn erinnern.
Dieser kann sich kaum erklären, warum er für einen Sterblichen alles aufs Spiel setzt. Die Liebesgeschichte zwischen Devon und Jethro ging für meinen Geschmack viel zu schnell, sie hatten kaum Gelegenheit sich kennen zu lernen. Das ist für mich auch das große Manko an Dark Desires. Die Krimi/Thriller-Handlung hat es für mich aber dennoch für eine spannende Lektüre gemacht. Dark Desires ist viel mehr ein Mysterythriller, als Vampirromanze - so sollte man auch keine Erotik erwarten. Aus der Perspektive verschiedenster Beteiligter, Vampire und Menschen wird die Geschichte um die mordende Vampirin Mai-Li erzählt. Das erschien mir im ersten Moment ungewöhnlich hat für mich den Roman aber sehr bereichert. Denn oft werden in Vampirgeschichten die betroffenen Menschen gar nicht mehr erwähnt. Hier sind die Vampire weder nur blutrünstige Monster, noch sind sie nur bildschön und unwiderstehlich. Alle Figuren haben ihre hellen und dunklen Seiten. Die Autorin hat selbst einige Zeit in Australien verbracht, was deutlich zur authentischen Atmosphäre beiträgt.
Dark Desires liest sich jedoch wie  der erste Band einer Reihe, einige Fragen blieben unbeantwortet. Ich hoffe, dass da noch mehr Geschichten zu Devon, Jethro und den anderen Figuren folgen.

Dark Desires ist 2012 im deadsoft Verlag erschienen.

Freitag, 12. April 2013

David Levithan: Noahs Kuss - Buchrezension

Der deutsche Titel Noahs Kuss - und plötzlich ist alles anders (original: Boy meets boy) passt nicht wirklich zu dem Buch, denn ich hätte es fast nicht gelesen, da ich dahinter eine klassiche Coming-out-Geschichte erwartet habe. Auch der Aufdruck auf dem Klappentext, es sei für Fans von Brokeback Mountain, hat nichts mit dem Buch zu tun, denn es ist ein Jugendbuch und Brokeback Mountain würde ich Jugendlichen nur bedingt empfehlen.
Der Beginn wirft einen mitten in die Handlung und stellt gleich klar, Paul, der Ich-Erzähler weiß wer er ist, und alle anderen wissen das auch. Schwul zu sein ist für ihn überhaupt kein Problem. Seine Eltern, seine Freunde, seine Mitschüler, niemand macht daraus ein Problem. Im Gegenteil, es scheint in seiner Stadt beinahe nur Schwule und Transsexuelle zu geben. Da ist zum einen Infinite Darlene, gleichzeitig Quarterback und Homecoming Queen, und Tony, sein bester Freund, der es nicht leicht mit seinen Bibeltreuen Eltern hat. Und dann ist da natürlich Noah, in den Paul sich schon bei ihrer ersten Begegnung verliebt und Noah scheint dasselbe für ihn zu empfinden.
Einer glücklichen Beziehung zwischen Paul und Noah steht also nichts im Weg. Sie lieben die gleichen Filme, können stundenlang miteinander reden und eigentlich ist alles in Pauls Welt perfekt. Das war auch mein Problem mit diesem Buch.

Mittwoch, 13. März 2013

Buchrezension: Des Teufels Maskerade und Fortunas Flug von Victoria Schlederer

Des Teufels Maskerade, das Buch mit dem Victoria Schlederer 2009 den Heyne-Wettbewerb zu einem Fantasyroman gewonnen hat, stand schon lange auf meiner Leseliste. Wien und Prag im neunzehnten Jahrhundert, Fantasy, Krimi und das mit einer bisexuellen Hauptfigur. Mehr brauchte ich nicht zu wissen, um neugierig zu werden.
Baron Dejan Sirco liebt Autorennen, bei denen er nie gewinnt, er lebt zusammen mit einem Geist namens Lysander, der in einen Otter gefahren ist in Prag und wird bald in das größte Abenteuer seines Lebens hineingezogen. Als Ermittler in okkulten Angelegenheiten hat er schon einiges erlebt, doch nun ist es ausgerechnet sein ehemaliger Freund Graf Felix Trubic, der ihn beauftragt. Dass sie sich vor Jahren nach einem beinahe tödlichen Duell getrennt haben, erleichtert ihre Zusammenarbeit nicht unbedingt. Erst gegen Ende wird Licht in ihre komplizierte Beziehung und ihre gemeinsame Geschichte gebracht. Doch als es darum geht, Felix' Leben vor einem unbekannten Feind zu schützen, tun Dejan, Lysander und ihr Gehilfe Mirko alles, um Felix zu retten. Das Besondere an diesem Roman ist die Sprache, die Victoria Schlederer aus Romanen jener Zeit abgeschaut hat. Lange verschachtelte Sätze, altmodische Wörter und schlagfertige Dialoge.

Dienstag, 18. Dezember 2012

Buchempfehlung: Just Kids von Patti Smith

Ich möchte mal wieder ein Buch empfehlen: Just Kids von Patti Smith.(bei Kiepenheuer und Witsch erschienen)
In Just Kids erzählt Patti Smith von ihrer Jugend in New York, von den Anfänge ihrer Karriere und  ihrer besondere Beziehung zu Robert Mapplethorpe. Sie haben sich kennengelertn, als Patti Smith nach New York kam. Damals hatte sie überhaupt kein Geld und war ersteinmal obdachlos. Patti und Robert wurden ein paar und fanden eine kleine Wohnung. Sie verbrachten praktisch den ganzen Tag mit Malen, Basteln und Gedichte schreiben, und haben sich gegenseitig künstlerisch unterstützt. Später wurde Robert bewusst, dass er homosexuell ist und sie waren nur noch befreundet. Aber ihre Freundschaft hielt das ganze Leben. Es ist aber nicht nur die Schilderung dieser intensiven Freundschaft, die das Buch so lesenswert macht, sondern auch die der Künstlerkreise in der sie sich bewegten. Sie lernten die wichtigsten Dichter und Musiker der Zeit kennen, von Jimi Hendrix über Janis Joplin und Andy Warhol. Diese Begegnungen werden aber so beiläufig geschildert, mit allerlei witzigen Anekdoten, dass es ganz normal erscheint. Aber so war das damals wohl einfach. Auf jeden Fall ist es inspirierend zu lesen, wie die beiden sich so ganz der Kunst widmen und erst eine Weile brauchen, bis sie ihr Medium gefunden haben und bis sie bekannt werden - Patti als Sängerin und Robert als Fotograf. Just Kids zeichnet nicht nur das Bild einer Epoche in der sich alles verändert, es ist auch ein Porträt zweier außergewöhnlicher und unheimlich liebenswerter Menschen, die man gerne selbst kennen würde.