Posts mit dem Label Jugendbuch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jugendbuch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 11. November 2016

Die Mitte der Welt - Filmrezension



Die Mitte der Welt, ein einmaliges Buch. Ein Buch, das schon Generationen von Lesern begeistert. In den neunzigern erschienen, ist es inzwischen ein Klassiker und immer noch beliebt bei jungen Lesern. Andreas Steinhöfel hat einen wunderbaren Roman geschrieben, der für mich immer weniger ein Jugendbuch als vielmehr ein Buch für alle Leser war, die sich für gute Coming-of-Age Geschichten begeistern.
Am Mittwoch war ich auf der Premiere in Hamburg mit Anwesenheit des Autors, des Regisseurs und des Darstellers Jannik Schümann. Ein tolles Erlebnis mit einem Film der mich positiv überrascht hat.
Er erzählt die Geschichte von einer Familie und einem jungen Mann, der sich selbst und seinen Platz in der Welt sucht. Phil und seine Zwillingsschwester Dianne wachsen in unkonventionellen Verhältnissen auf. Ihre Mutter Glass bekam sie mit siebzehn und wanderte von Amerika in eine deutsche Kleinstadt aus, wo sie mit ihrer Hippieattitüde und wechselnden Männergeschichten aneckt. Dort leben sie in einem großen halb zerfallenen Herrenhaus, genannt Visible. Die Atmosphäre dieses mystischen aus der Zeit gefallenen Hauses, fängt der Film in eindrucksvollen Bildern ein. Auch wenn das Haus eine nicht ganz so große Rolle spielt, wie im Buch, hat mich seine Darstellung überzeugt.
Phil ist schwul und hat sein Coming-out längst hinter sich. Mit seiner besten Freundin Kat durchlebt er einen Sommer, der sie alle verändert. Als er nach einem Feriencamp nach Hause kommt, bemerkt er gleich, dass zwischen seiner Schwester und seiner Mutter eine eisige Distanz herrscht. Niemand redet darüber, was passiert ist und Phil fühlt sich einsam und unverstanden. Seine Mutter hat mal wieder einen neuen Freund, verrät ihm aber immer noch nicht, wer sein richtiger Vater ist.
Da kommt der neue Mitschüler Nicholas in seine Klasse und Phil verknallt sich auf den ersten Blick. Er beobachtet Nicholas beim Laufen, bis der ihn einlädt, doch einfach mit ihm auszugehen. Schnell entwickelt sich etwas zwischen den beiden. Bleibt nur das Problem, das Kat Nicholas nicht leiden kann und dass Nicholas so distanziert bleibt und kaum etwas von sich preis gibt.
Beim anschließenden Gespräch verriet der Autor, dass er Nicholas immer mehr als Projektionsfläche für die anderen Figuren verstanden hat. Etwas, was ich im Buch ein wenig schade fand, da er so recht blass bleibt. Ich habe es immer so interpretiert, dass er seine eigene Unsicherheit hinter seine Coolness versteckt und es ihm schwerfällt, seine Gefühle einzugestehen. Lediglich dass er Dinge sammelt und sich Geschichten für sie ausdenkt, verrät er Phil. Im Film gibt Jannik Schüman ihm ein wenig mehr Charakter und beide Darsteller scheuen sich nicht, sich nackt zu zeigen. Es gibt deutliche Liebesszenen, wo im Buch eher ausgespart wird. Teilweise war mir das schon etwas zu viel, andererseits waren die Szenen sehr geschmackvoll eingefangen.
Der Film legt klar den Fokus auf Phil und seinen Weg zum Erwachsenwerden. Aber auch die Beziehung zu seiner Mutter, zu seiner Schwester und die Suche nach seinem Vater kommen nicht zu kurz. Sabine Timoteo spielt Glass mit einer starken Präsenz. Es hat mir gut gefallen, dass bei ihr immer wieder der amerikanische Akzent und einige englische Ausdrücke durchkamen. Dagegen fand ich die anderen Nebendarsteller leider etwas blass. Vor allem da vor allem Louis Hofmann als Phil absolut überzeugt. Ein neues Talent für den deutschen Film, von ihm wird man hoffentlich noch viel hören. Es würde mich nicht wundern, wenn er einige Preise gewinnt.

Auch das Drehbuch ist sehr intelligent geschrieben. Natürlich kann ein Film nie alle Details des Buches übernehmen, die lesbischen Freundinnen von Glass, die für Phil eine Ersatzfamilie bilden, kommen etwas kurz und der väterliche Freund Gabe ist ganz weggelassen. Aber Jakob M. Erwa hat sehr geschickt die Gedankenwelt von Phil verbildlicht. So wird seine Sicht auf seine Nachbarschaft oder die möglichen Vaterfiguren mit witzigen Fotocollagen dargestellt. Während das Buch offen lässt, zu welcher Zeit es angesiedelt ist, spielt der Film klar in der Gegenwart. Whatsapp-Nachrichten werden beiläufig eingeblendet. So ist ein moderner und gleichzeitig zeitloser Film entstanden, der ein wenig positiver und leichter stimmt als das Buch. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber mir hat das Ende tatsächlich besser gefallen, als das im Buch und die Argumente Erwas, dass Phil dadurch stärker wirkt, konnte ich absolut nachvollziehen.
Auch Kamera und Schnitt muss ich hier loben. Allein die Anfangssequenz, wenn Phil und Dianne als Kinder durch das hohe Gras streifen ist ein Bild, das sich einem einbrennt. Es ist diese Frische und Leichtigkeit, mit der der Film erzählt, und es schafft tiefe Gefühle zu wecken, die mich begeistert hat. Wenn immer wieder symbolhaft der durch den Sturm zerstörte Wald eingeblendet wird. Wenn Glass mit den Kindern im Auto und "Bitsch" aufgesprüht im Kreis fährt, damit alle sie sehen. Wenn das Bild sich rosa färbt, als Phil Nikolas das erste Mal sieht. Aber neben dieser Leichtigkeit gibt es auch einige emotionale Momente. Als Dianne endlich gesteht, was passiert ist, habe ich und einige andere Besucher auch ein paar Tränen wegwischen müssen.
Es ist dem Film anzumerken, wie viel Zeit und Liebe Erwa hineingesteckt hat. Über acht Jahre hat er immer wieder bei Steinhöfel angerufen und ihn wegen der Rechte gefragt, die zuvor schon vergeben waren. Schon als Filmstudent nervte er den Regisseur und ließ nicht locker. Das muss man erst mal bringen und es hat sich ja gelohnt. Ich kann den Film nur jedem empfehlen, der mal wieder einen richtig guten Film übers Erwachsenwerden sehen möchte, der mit einer Selbstverständlichkeit queere Figuren zeigt, wie ich es nur selten gesehen habe. Von einigen habe ich schon gehört, dass sie das Buch sehr lieben und sich durch den Film nicht die Sicht darauf verfälschen lassen wollen. Ich kann nur empfehlen, Film und Buch unabhängig voneinander zu sehen. Dieser Film lohnt sich wirklich, ich wünsche ihm noch viele begeisterte Zuschauer. Mögen noch ganz viele Filme dieser Art folgen.







Dienstag, 9. Juni 2015

Schöner Trend: LGBT-Jugendbücher


Für queere Jugendliche ist es nicht einfach, Bücher oder andere Medien zu finden, in denen sie sich repräsentiert sehen. Gerade wenn man mit seiner Sexualität oder Gender-Identität zu kämpfen hat oder diese infrage stellt, können Vorbilder enorm wichtig sein. Daher finde ich es so schön, dass immer mehr Prominente sich outen. Aber Jugendliche brauchen auch Beispiele, die sie selbst zeigen, lesbische, schwule, transgender oder intersex Teens. Auch nicht-queere Jugendliche können sich natürlich für das Thema interessieren und durch diese Bücher vielleicht etwas lernen. Es ist schon lange bewiesen, dass Menschen die lesen oder fernsehen toleranter und offener sind, weil sie lernen, sich in andere hineinzuversetzen und wenn sie so mit queeren Menschen konfrontiert werden, auch lernen, sich in diese hineinzuversetzen. Der englische Markt ist dem deutschen da ein großes Stück voraus, wohl auch weil er einfach viel größer ist und vermeintliche Nischenthemen so mehr Publikum finden. Umso schöner finde ich es, dass immer mehr Bücher auch auf deutsch übersetzt werden. Gerade die letzten zwei Jahre hat sich ein echter Trend zu LGBT-YA-Büchern entwickelt. Besonders schön finde ich es, YA-Bücher zu finden, die nicht nur Mobbing und Probleme dieser Jugendlichen zeigen, sondern auch positive Botschaften senden, dass man damit gut zurecht kommen kann, ein queerer Teen zu sein. Ich hoffe, dass sich die Verlage in Zukunft noch mehr trauen und dieser Trend anhält, es ist doch einfach nur schade und überholt, wenn ein Autor von Verlagen oder Agenturen gesagt bekommt, dass sich solche Themen nicht verkaufen. Bisher setzen die Verlage da leider fast ausschließlich auf Übersetzungen, die sich bereits bewährt haben. Vielleicht Zeit mal ein paar meiner eigenen Plotideen wieder auszugraben? Im Moment spuken mir da so einige im Kopf herum. Da weiß ich gar nicht, was ich zuerst schreiben will.

Die wenigen Bücher deutscher Autoren sind meistens schon älter. Die Mitte der Welt von Andreas Steinhöfel ist schon ein Klassiker, Ende der 90er erschienen und sogar ins Englische übersetzt, zeichnet er die Geschichte eines schwulen Jugendlichen in einer merkwürdig aus der Zeit gefallenen Welt und seiner einzigartigen Familie nach. Das Buch ist einer wunderbare Coming-of-age Geschichte, die ich vor allem älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr empfehlen kann. Steingesicht und Einfach nur Liebe handeln von lesbischen Mädchen und Liebe macht anders deutet auf eine Transgender oder Intersex-Geschichte hin. Ich habe die drei letzten Bücher allerdings noch nicht gelesen und weiß nicht, ob sie empfehlenswert sind. Einen deutschen David Levithan vermisse ich jedenfalls noch.



Eines der neueren Übersetzungen ist das preisgekrönte Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums, ich habe es angefangen zu lesen und bin schon sehr begeistert davon. Ich habe den starken Verdacht, es könnte ein Lieblingsbuch werden. Es ist eins Jugendbuch, das im letzen Jahr viel Aufmerksamkeit und Lob erhalten hat.
Über ein Mädchen habe ich ebenfalls gelesen, es handelt von der ersten Liebe eines lesbischen Mädchens in Holland. Es war ein ganz nettes Buch, aber nichts Außergewöhnliches.
Was mich besonders freut ist, dass jetzt auch das nächste Buch von David Levithan Two Boys kissing auf deutsch erscheint. Es handelt von zwei Jungs, die einen Kussrekord aufstellen wollen. Da hoffe ich mal, dass The Tiny Cooper Story, die Geschichet über Tiny Cooper aus Will Grayson auch auf deutsch übersetzt wird. Will Grayson und Noahs Kuss habe ich ja auch hier bereits besprochen und kann sie empfehlen, einige der wenigen Bücher über schwule Jugendliche, die sehr erfolgreich waren. Empfohlen habe ich auch das stilistisch beeindruckende Die Tage der Bluegrass-Liebe. Auch auf Zusammen werden wir leuchten freue ich mich sehr, eine der ganz wenigen Transgender-Jugendbücher, und ein sehr gelungenes Cover, finde ich. Ich hoffe, dass das wirklich ein Trend wird und freue mich über den Mut des Verlags. Das wurde wirklich Zeit.

lest weiter ...

Sonntag, 7. Juli 2013

Edward van de Vendel: Die Tage der Bluegrass-Liebe - Buchrezension

Die Tage der Bluegrass Liebe ist zuerst als Spring wenn du dich traust bei Carlsen erschienen, der neue Titel ist aber eine Übersetzung des Originals und passt auch viel besser zum Buch.

Tycho hat gerade die Schule abgeschlossen und möchte ein Jahr lang erst einmal Pause machen. Von seiner Heimat Amsterdam fliegt er in die USA, um dort in einem Feriencamp für Kinder als Junior Asistant zu arbeiten. In der Little World, wie das Camp heißt, sind alle freundlich und nett zueinander, es ist ein kleines Paradies abseits der Welt.
Als Tycho sich dann Hals über Kopf in einen anderen Junior Asistant aus Norwegen, Oliver, verliebt, bringt ihn das ziemlich durcheinander. Schon bald verbringen sie keine Minute mehr ohne den anderen. Doch sie können nicht ewig in ihrer Little World bleiben.
Viel mehr kann ich gar nicht zum Inhalt des Buches sagen, ohne zu viel zu verraten. Das Coverbild passt wie ich finde besser zur Geschichte als das niederländische Original, die beiden lächelnden Jungen, die bunte Schrift, Bluegrass  - das lässt einen an heiße glückliche Sommernächte denken. Es ist ein Buch über das erste richtige Verliebtsein, die intensive kurze Zeit. Insgesamt war die Geschichte selbst für die 190 Seiten etwas dünn, aber das macht nicht viel aus, denn es ist vor allem der Stil des Autors, der mich für das Buch einnimmt. Es ist ein sehr klarer schnörkelloser Stil, kurze Sätze, die immer genau das beschreiben, was die Figuren fühlen. Dabei wirkt der Stil jedoch nie zu einfach oder zu sehr nach Jugendsprache, im Gegenteil, er ist erstaunlich anspruchsvoll für ein Jugendbuch. Edward van de Vendel wurde bereits dreimal mit dem niederländischen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Er schreibt überwiegend Kinderbücher, aber seine anderen Jugendbücher, insbesondere die Fortsetzung zu Die Tage der Bluegrass Liebe: Die langen Nächte der Stille, werde ich sicherlich auch noch lesen.

Das Buch erschien 1999 im Original und 2001 bei Carlsen in Deutsch. Taschenbuch, 192 Seiten.
Leider scheint es das Buch nur noch als eBook und gebraucht zu geben.

Samstag, 22. Juni 2013

eBook-Rezension: Absolut Talentfrei von Art-Sensei


Ich rezensiere ja nur Sachen, die mir gut gefallen und ich habe mir vorgenommen, alles zu rezensieren, was mir gut gefällt und irgendwie was mit LGBTI-Themen zusammenhängt. Deshalb rezensiere ich jetzt auch online frei verfügbare Texte, von Fanfiktion, boyxboy oder anderen Seiten. Besonders, wenn ich finde, dass die Texte mehr Aufmerksamkeit verdienen. Texte im Netz müssen nicht schlechter sein als gedruckte Bücher oder ebooks, die man kaufen kann. Ganz im Gegenteil. Die letzten beiden Texte, die ich auf Fanfiktion gelesen habe, haben mir besser gefallen, als die meisten Bücher, die ich je im Genre als Buch gelesen habe. Da der Markt ja in Deutschland nicht besonders groß ist, denn die Leserschaft ist zwangsweise begrenzt, haben es deutsche Autoren nicht gerade leicht, bei größeren Verlagen zu erscheinen. Oder wisst ihr ein Jugendbuch mit schwuler Hauptfigur eines deutschen Autoren/in, das in den letzten zehn Jahren bei einem größeren Verlag erschienen ist? Ich jedenfalls weiß keines, da fällt mir immer nur David Levithan ein. Bei Büchern für Erwachsene gibt es zwar öfter mal Ausnahmen, und es gibt ja auch einige spezialisierte deutsche Verlage, aber da Absolut Talentfrei mit dem Coming-Out und ersten Verliebtsein für mich ins Jugendbuchgenre fällt, habe ich mir darüber mal Gedanken gemacht.
Im Internet lassen sich jedenfalls eine Menge ziemlich guter (natürlich auch ziemlich schlechter) Texte für Jugendliche und für Erwachsene finden. Und seit ich einen eBook-Reader habe, lesen sich die auch gut und schnell.

Ihr findet Absolut Talentfrei hier auf Fanfiktion. Da kann man sich alle Texte auch als eBook runterladen.

Jetzt aber zur eigentlichen Rezension: Absolut Talentfrei, das ist Sam nach eigener Angabe. 16 Jahre alt, in der zehnten Klasse, hat Sam sich bisher noch nie verliebt. Nur mit seinem besten Freund Iven hat er schon mal ein bisschen ausprobiert. Aber dann kann Sam sich plötzlich vor Verehrern gar nicht mehr retten. Blöd nur, dass man sich nicht immer in denjenigen verliebt, der einen auch zurückliebt.
In Absolut Talentfrei gibt es eine ganze Reihe von wunderbaren Charakteren. Da ist zunächst Sam selbst, eigentlich ja Außenseiter in der Klasse, denn er ist ja Indie und will mit den Hipstern nichts zu tun haben. Dass er so viel Wert auf sein Aussehen legt und seinen Rockabilly-Stil pflegt, hat natürlich gar nichts damit zu tun, dass er schwul ist. Und wie kommt Cameron, der amerikanische Austauschstudent überhaupt darauf, ihn nach einem Date zu fragen? Cameron ist zwar der Schwarm der Klasse, gutaussehend, süß, Musiker, aber leider gar nicht Sams Typ. Denn Cameron ist der typische Sunnyboy - immer lächelnd, aber nicht besonders intelligent.
Als Sam dann auch noch beinahe mit einer Klassemkameradin schläft und sich dann in einen sieben Jahre älteren Türsteher verliebt, überschlagen sich die Ereignisse.

lest weiter:

Mittwoch, 15. Mai 2013

"Will und Will" von John Green und David Levithan - Buchrezension

Dieses Buch stand schon ewig auf meiner Liste und nachdem es mir von mehreren Leuten empfohlen wurde, habe ich es endlich gelesen. Will und Will (orignial: Will Grayson Will Grayson) von den bekannten Autoren John Green und David Levithan handelt von zwei Jungen, die beide Will Grayson heißen, aber zunächt nicht in Kontakt stehen. Doch sie haben einiges gemeinsam.
Der eine Will Grayson ist vielleicht in Jane verliebt, vielleicht auch nicht, er kann sich nicht recht entscheiden. Sein bester Freund Tiny macht es ihm auch nicht gerade leichter, in dem er versucht, sie zu verkuppeln. Tiny ist riesengroß, schwul, und ständig in einen anderen verliebt. Er plant ein Musical über sein eigenes Leben und über das von Will, auch wenn Will darin lieber gar nicht vorkommen würde. Sein Motto lautet Klappe halten und nichts an sich ranlassen. Nur muss er diese Regeln brechen, wenn in seinem Leben etwas passieren soll.
Der andere Will Grayson ist schwul, aber das soll nicht einmal seine einzige "Freundin" Maura wissen. So richtige Freunde sind sie eigentlich gar nicht, sie warten nur am Schultor aufeinander und Maura nervt ihn mit ihren Fragen, denn eigentlich haben sie doch gar nichts gemeinsam, außer dass sie Außenseiter sind. Will tut alles, damit andere ihn nicht mögen, aber vor allem mag er sich selbst nicht. Er hat Depressionen, nimmt Medikamente, die das ein wenig eindämmen. Sein einziger Lichtblick ist Isaac. Das Problem ist nur, dass er Isaac noch nie in echt begegnet ist, obwohl sie seit einem Jahr miteinander chatten. Dann kommt endlich der Tag, an dem er Isaac treffen wird. Man ahnt, dass das nicht gut gehen kann.
Als sich die beiden Will Graysons dann zufällig begegnen, bringt das ihrer beider Leben durcheinander. Beide Wills erfahren, wie es ist, sich zu verlieben, was es heißt, an einer Freundschaft zu arbeiten und dass es manchmal einfach nur darum geht die Wahrheit zu sagen.
Dass das Ende dann super zuckrig ist, erwartet man von David Levithan und John Green einfach, damit verrate ich jetzt nicht zu viel. Anders als in Noahs Kuss ist der Weg dahin aber mit einigen Steinen gepflastert, die Depressionen des einen Will lösen sich nicht einfach in Luft auf und beide Wills haben eine große Entwicklung durchgemacht. Sie sind Figuren, die Schwächen haben, die man aber gerade deswegen mag, genau wie Tiny. Die 378 Seiten täuschen, das Buch liest sich sehr schnell durch, die Dialoge sind sehr großzügig gedruckt. Ein schönes Jugendbuch, das Mut macht und viele unterschiedliche Identifikationsfiguren bietet.
Ich freue mich jetzt jedenfalls schon auf das neue Buch von David Levithan.

Altersempfehlung: ab 13
Will und Will ist 2012 bei cbt erschienen.