Dienstag, 6. August 2013

Beautiful people - Serienkritik

Beautiful People gibt es bisher leider nur auf Englisch. Die Serie, die auf einem autobiographischen Roman von Simon Doonan basiert, ist einzigartig und unheimlich witzig.
Der 13-jährige Simon sehnt sich nach nichts mehr, als endlich seine Heimat Reading zu verlassen und nach London zu ziehen. Denn was gibt es in dem Kaff schon für einen Jungen, der am liebsten zu den Spice Girls tanzt, der davon träumt einen goldenen Lockenstab zu besitzen oder die Hauptrolle in einem Musical zu spielen? Wenn wieder mal alles zu viel scheint, dann sagen er und sein bester Freund Kylie sich ihren Spruch auf: "Were will we live?"
"In London." "Who will we live amongst?" "The beautiful people!"
Seine Familie, obwohl durchaus liebevoll und tolerant, ist Simon nicht glamourös genug. Sein Vater, der aus Kartoffeln Wein herstellt, kann nicht viel mit ihm anfangen. Seine Mutter ist damit beschäftigt die bestangezogenste Frau im Viertel zu bleiben und sich ab und zu mit Kylies Mutter zu prügeln. Seine Schwester, die sich an jeden Typ im Viertel ranmacht, lässt sich immerhin von ihm frisieren und die blinde Hippiefreundin seiner Mutter, die bei ihnen lebt kauft ihm pinke Nylonanzüge. Der Ton der Serie ist zwar Comedy, es gibt aber ab und zu auch ernste Momente. Vor allem der junge Hauptdarsteller gibt der Serie ihr Herz. Ich hätte mir keinen anderen an seiner Stelle vorstellen können. Im Interview gibt Luke Ward-Wilkinson zu, dass er erst einmal überlegen musste, so eine Rolle anzunehmen. Am schwersten sei es gewesen, mit Highheels und Kleid durch den Schulflur zu rennen. Gut, dass er sich getraut hat, denn die Rolle des "flamboyanten" Teenies, der sich erst noch klar darüber werden muss, schwul zu sein, spielt er absolut glaubwürdig. Auch Olivia Colman als seine Mutter Debbie ist eine  perfekte Besetzung. Mit der Art ihres Sohnes hat sie kein Problem - als herauskommt, dass er das Kleid von Kylies Mom anprobiert hat, reagiert sie, wie eine Mutter auf so etwas nur reagieren könne: Warum hat er nicht mein Kleid genommen!
Es ist diese ganz spezielle Art von Humor, und vor allem der "Camp-Faktor", der die Serie zu so etwas besonderem macht. Gedreht von einem schwulen Regisseur, mit schwulem Produzent nach dem Roman eines schwulen Autors (auch wenn die Handlung von den 50ern in die 90er verlegt wurde).
Dennoch ist es keine wirklich typische Geschichte schwuler Teenager die in der Provinz aufwachsen, dafür ist das Setting zu überzeichnet und auch ein wenig schön gefärbt. Es ist eine Serie voller liebenswerter durchgeknallter Figuren und absurder Komik.
Allein die Titelmelodie ging mir auf die Dauer etwas auf die Nerven und auch die kurzen Einführungen des älteren Simon, der inzwischen Schaufensterdekorateur bei Barneys ist, waren für mich überflüssig.
Die zwei Staffeln umfassende Serie trägt das Prädikat ab 16 (die erste ab 12), wohl vor allem wegen einer Gewalt beinhaltenden Szenen, denn dort bleibt nicht alles so rosig. Ich bin immer wieder begeistert, an was für Stoffe die BBC sich herantraut.
Wer auf leicht abgedrehten britischen Humor und schwule Coming-of-age Geschichten steht, sollte sich die Serie unbedingt ansehen.

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