Mittwoch, 13. März 2013

Buchrezension: Des Teufels Maskerade und Fortunas Flug von Victoria Schlederer

Des Teufels Maskerade, das Buch mit dem Victoria Schlederer 2009 den Heyne-Wettbewerb zu einem Fantasyroman gewonnen hat, stand schon lange auf meiner Leseliste. Wien und Prag im neunzehnten Jahrhundert, Fantasy, Krimi und das mit einer bisexuellen Hauptfigur. Mehr brauchte ich nicht zu wissen, um neugierig zu werden.
Baron Dejan Sirco liebt Autorennen, bei denen er nie gewinnt, er lebt zusammen mit einem Geist namens Lysander, der in einen Otter gefahren ist in Prag und wird bald in das größte Abenteuer seines Lebens hineingezogen. Als Ermittler in okkulten Angelegenheiten hat er schon einiges erlebt, doch nun ist es ausgerechnet sein ehemaliger Freund Graf Felix Trubic, der ihn beauftragt. Dass sie sich vor Jahren nach einem beinahe tödlichen Duell getrennt haben, erleichtert ihre Zusammenarbeit nicht unbedingt. Erst gegen Ende wird Licht in ihre komplizierte Beziehung und ihre gemeinsame Geschichte gebracht. Doch als es darum geht, Felix' Leben vor einem unbekannten Feind zu schützen, tun Dejan, Lysander und ihr Gehilfe Mirko alles, um Felix zu retten. Das Besondere an diesem Roman ist die Sprache, die Victoria Schlederer aus Romanen jener Zeit abgeschaut hat. Lange verschachtelte Sätze, altmodische Wörter und schlagfertige Dialoge.
Man merkt dem Stil an, wie viel Spaß die Autorin beim Schreiben gehabt haben muss. Es ist sicherlich eine Geschmacksfrage, ob einem der Stil gefällt. Da ich gerade einige Romane aus dem neunzehnten Jahrhundert gelesen habe, hat er für mich wunderbar gepasst. Die zweite Besonderheit sind die Figuren: Dejan mit seiner draufgängerischen Art, Felix, der immer undurchschaubar bleibt und der neunmalkluge sprechende Otter, der ihnen das eine oder andere Mal mit seinem imensen Wissen weiterhilft. Außerdem treten noch eine hübsche Bordellbetreiberin und ein theatralischer Vampir auf. Insgesamt ist Des Teufels Maskerade eines der besten Fantasy-Bücher, die ich je gelesen habe. Unterhaltsam, spannend, besonders.
Der zweite Teil um  Dejan und Felix, Fortunas Flug setzt schon vom Cover her auf Steampunk. Es geht darin tatsächlich um ein Zeppelin namens Fortuna. Diesmal wird überwiegend aus Felix' Sicht erzählt abwechselnd mit der jungen Klatschkollumnistin Stella. Zu Beginn war ich ein wenig enttäuscht, dass der Roman nicht direkt dort anschließt, wo der erste Teil aufgehört hat (auch noch mit einem kleinen Cliffhanger). Es ist nicht leicht, den Inhalt zusammenzufassen, ohne zu viel zu verraten. Nur so viel: Felix wird beauftragt, den vermeindlichen Selbstmord des Luftschiffingenieurs aufzuklären, denn die Fortuna ist kein gewöhnliches Zeppelin. In ihr gibt es magische Elemente und offenbar setzt ein unbekannter Feind alles daran, damit die Fortuna nicht fliegt. Stella ist zufällig beim Selbstmord des Ingenieurs zugegen und stellt auf eigene Faust Nachforschungen an, bis sie auf Felix trifft, der in ihr ein ungeahntes Talent entdeckt. Auch Dejan, Lysander und der Vampir haben erneut ihre Auftritte. Wieder überzeugt die Autorin mit ihrem einmaligen Stil, unerwarteten Wendungen und widersprüchlichen Figuren. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, einzig war ich ein wenig enttäsucht, dass die Liebesgeschichte zwischen Felix und Dejan sehr kurz kam. Sie kommen nicht voneinander los, können aber auch nicht für längere Zeit zusammen sein. Das ist aber mein persönlicher Geschmack, gerne würde ich erfahren, was zwischen den beiden Bänden passiert ist. Wer weiß, vielleicht gibt es ja einmal einen dritten Band, ich würde ihn sofort lesen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen