Freitag, 13. Februar 2015

Please like me - Serienrezension

Als Joshs Freundin mit ihm Schluss macht, sagt sie ihm, dass er doch sowieso schwul sei. Da ist Josh das selbst noch gar nicht bewusst. Er hat vielmehr mit seiner depressiven Mutter zu kämpfen, die versucht hat, sich umzubringen. Sein Vater hat die Familie verlassen und eine neue koreanische Freundin, die sich nicht entscheiden kann, ob sie es ernst mit ihm meint. Sein bester Freund ist ein total verplanter Kerl, der nie bei der richtigen Frau landet. Als Josh jedoch den gutaussehenden Geoffrey kennen lernt, merkt er, dass seine Ex-Freundin recht hatte. Sein Coming-out ist auch gar keine so große Sache.
Als seine Mutter aus der Psychatrie entlassen wird, muss er sich um sie kümmern und wieder zu Hause einziehen. Nebenbei muss er sich entscheiden, ob Geoffrey wirklich der richtige ist. Sieht er nicht viel zu gut aus für ihn? Josh hält nicht viel von seinem eigenen Aussehen. Tatsächlich sieht Josh Thomas älter aus, als er ist und man kauft ihm die 21 schwer ab, die er mit Ende zwanzig dastellt. Josh Thomas hat auch selbst das Drehbuch geschrieben und man könnte sagen, dass er sich selbst spielt. Josh Thomas Mutter war tatsächlich depressiv und sein bester Freund in der Serie ist es auch in echt. Lediglich Debra Lawrance als "mum" und Caitlin Stacey als Freundin sind erfahrene Schauspieler. Aber das merkt man der Serie ansonsten nicht an.
Was die Serie aber so besonders macht ist vielleicht gerade die  Authentizität. Josh zeigt seine nur halb erfundene Figur mit all ihren Unsicherheiten und Schwächen. Die Figuren erscheinen nie klischeehaft. Die Unsicherheit bei der Partnersuche, bei der Jobsuche, der Identitässuche, das wirkt alles sehr realistisch.  
Die Darsteller sind überzeugend und das Drehbuch hält die richtige Balance zwischen Komik und ernsten Szenen. Man merkt, wie wichtig Josh das Thema psychische Erkrankungen ist und er behandelt es auf respektvolle Weise. Die Schwere der Erkrankung wird nie herabgespielt aber trotzdem die gewisse Komik etwa des Psychatriealltags dargestellt. Die Freunde, die Josh umgeben und potentiellen Partner sind alle liebenswert und gleichzeitig schrullige Außenseiter.
Please Like me ist eine wunderbare australische Coming-of-age Serie, die es verdient hat, ein größeres Publikum zu bekommen. In Australien ist Josh Thomas bereits ein bekannter Comedy-Star.
Gerade wird die dritte Staffel der Serie gedreht und ich bin schon sehr gespannt darauf. Leider bekommt man sie auf DVD nur im Export, aber hoffentlich ändert sich das bald.

Rezension: Das Faustus-Insitut von Tim Spohn


Ich durfte diesen Roman von Tim Spohn testlesen, deshalb fällt es mir etwas schwer, darüber eine objektive Rezension zu schreiben. Aber da ich ihn unbedingt empfehlen möchte, muss ich einfach etwas dazu schreiben.
Noah glaubt, dass er verflucht ist, denn alle Menschen, die ihm nahestanden - seine Eltern, seine beste Freundin, sein erster Freund – starben bei seltsamen Unfällen. Deshalb lässt Noah niemanden mehr an sich heran und lebt ein einsames Leben in Berlin. In seinem Spieleladen taucht plötzlich der gutaussehende Lucas und die kühle Lis auf. Als sie dann auch noch bei seiner Arbeit im Callcenter erscheinen, fühlt Noah sich verfolgt. Ein Wesen wie aus alten Mythen ist hinter ihm her und Noah und Lucas können ihm gerade noch entkommen. Es stellt sich heraus, dass Lucas und Lis vom Faustus-Institut geschickt wurden, um Noah zu beschützen, denn das war nicht das einzige Wesen, das hinter ihm her ist. Eine mächtige Dämonin hat es auf ihn abgesehen.
Bald muss Noah sich nicht nur damit auseinandersetzen, dass es solche Wesen wirklich gibt, er merkt auch immer mehr, dass er Gefühle für Lucas entwickelt und ihn viel zu nahe an sich heranlässt. Um der Dämonin zu entkommen und wieder Freundschaften zulassen zu können, muss Noah dem Geheimnis seines Fluchs auf die Spur kommen.
Der Debut-Roman von Tim Spohn bietet unterhaltsame Urban Fantasy mit interessanten Figuren. Sein Stil liest sich sehr flüssig aber nie zu einfach. Noah ist eine interessante, innerlich zerrissene Figur und ich bin gespannt, wie er sich in den Fortsetzungen noch entwickeln wird. Der Roman ist als Reihe angelegt und so liest er sich als ein typischer Anfang einer längeren Geschichte.
Es gibt einige überraschende Wendungen im Plot. Meine einzige Kritik ist, dass die Spannung in der Mitte etwas nachlässt und erst am Ende richtig Fahrt aufkommt. Wer gerne Gay Romance mit einem richtigen Plot liest, ist hier richtig. Es ist hier eher so, dass die Liebesgeschichte (noch) nicht im Vordergrund steht, und das fand ich mal ganz erfrischend. Man liest leider selten abseits des Romance-Genre Fantasy, in denen die Figuren einfach zufällig schwul sind. Daher dürften auch Leser die keine Romance lesen gefallen am Roman finden. Insgesamt ein gelungenes Debut, auf dessen Fortsetzung ich gespannt warte.

Sonntag, 7. Dezember 2014

Adventskalender

Auch dieses Jahr gibt es wieder den wunderbaren Adventskalender auf boyxboy. Und auch dieses Jahr ist wieder etwas von mir drin. Diesmal sogar zwei Geschichten. Eine schon am 4. und wann die zweite kommt bleibt eine Überraschung. Also, es lohnt sich, jeden Tag reinzuschauen. Euch erwarten haufenweise zuckrig-weihnachtliche Geschichten.

Und das Bild dazu ist auch ganz toll geworden:


Samstag, 29. November 2014

Wird Gay Romance Mainstream?

In den letzten Monaten hörte man immer wieder, dass Gay Romance jetzt in wird, dass es ein Genre ist, auf das jetzt auch größerer Verlage aufmerksam werden.
Es ist eine interessante Entwicklung, die sich da anbahnt, die ich mit großem Interesse verfolge. Als jemand, der schon vor zehn Jahren damit angefangen hat, in diesem Genre zu lesen, als das Wort Gay Romance in Deutschland noch niemand benutzt hat, bin ich aber auch ein wenig skeptisch. Damals blieb einem noch nichts anderes übrig, als Mangas und Fanfiktion mühsam im Netz zu suchen. Doch Gay Romance ist schon vor einigen Jahren in Deutschland angekommen, mit spezialisierten Verlagen und einigen erfolgreichen Autoren. Gerade in den letzten zwei Jahren habe ich den Eindruck, dass es immer mehr Autoren gibt, die sich in dem Genre professionalisieren. Aber immer noch sind die Veröffentlichungen überschaubar und neue Titel erreichen schnell die ebook-Charts in ihrer Kategorie. Was sich jedoch deutlich verändert hat ist, dass sich einige Titel auch in anderen Kategorien in den Charts finden lassen. Es scheint ein Bewusstsein und ein Interesse für das Genre entstanden zu sein. Auch wurden in den letzten zwei Jahren drei neue deutsche Verlage gegründet, die sich auf Gay/Queer-Literatur spezialisieren. Doch wird das Genre wirklich zum Mainstream?

Größere Verlage wollen durchaus beim Trend mitmachen. So hat zum Beispiel Lyx einige Gay Romance-Titel im Programm, doch bisher als reine e-books. Auch andere Verlage trauen dem Trend wohl noch nicht so ganz, und wollen das Genre erstmal ausprobieren, bevor sich sich an Prints wagen.
Daher freue ich mich umso mehr über den Mut des Heyne-Verlags, die erfolgreiche Reihe Captive Prince von C.S. Pacat ins Programm zu nehmen. Dabei handelt es sich um Fantasy mit Intrigenspielen und schwulen Figuren. Aber ich habe mir sagen lassen, dass es nicht unbedingt Romance ist. Auch früher gab es ein paar wenige Titel bei größeren Verlagen mit schwulen Figuren. Dabei ist das aber immer nur ein Teil der Handlung. So zum Beispiel Des Teufels Maskerade von Viktoria Schlederer, oder Böser Engel von Timothy Carter. In diesen Büchern gibt es Figuren, die eben zufällig schwul oder bi sind, sie dürfen sich vielleicht auch verlieben, aber das ist nicht ihr Hauptthema und damit kein Romance. Dennoch hoffe ich, dass Captive Prince hier auch einen Trend setzen könnte.

Auf dem englischsprachigen Markt ist man da schon etwas weiter, was die Vielfalt der Titel angeht. Der Markt ist natürlich größer und so können auch Nischenthemen eher erfolgreich sein. Es gibt im Gay-Romance-Bereich eigentlich alle Untergenre, die es bei Hetero-Romance auch gibt. Wie ich schon einmal beschrieben habe, sind Historical Romances im Gay-Bereich hier noch kaum veröffentlicht. KJ Charles, meine Lieblingsautorim im Genre, hat kürzlich verkündet, dass sie von einem größeren Verlag den Auftrag bekommen hat, für sie eine Gay-Regency-Romance zu schreiben. Und sie ist nicht die einzige Autorin, der das passiert ist. So kann sich ein Autor also auch mit kleinen Verlagen einen Namen machen und so größere Verlage auf sich aufmerksam machen.
Vor einem Jahr gab es ja große Hoffnung, dass mit der Veröffentlichung von J.R. Wards Gay Romance Lover At Last innerhalb einer sehr erfolgreichen Reihe, mehr Leser darauf aufmerksam werden. Doch Josh Lanyon weist darauf hin, dass diese Leser nicht unbedingt nach Gay Romance aus Kleinverlagen suchen werden, sondern eher von anderen etablierten Autoren. Ob nun tatsächlich durch Ward ausgelöst, Fakt ist, dass Gay Romance beliebter geworden ist.
Es ist zu vermuten, dass das Genre auch deshalb erfolgreicher ist, weil generell die Akzeptanz gegenüber gleichgeschlechtlichen Beziehungen gestiegen ist. Aber ich glaube tatsächlich auch, dass Leser dieser Titel noch toleranter werden. Daher finde ich Gay Romance als Genre so wichtig. Es zeigt, dass Menschen auch außerhalb heterosexueller Beziehungen ihr Glück finden können und sich ganz normal verlieben. Und das, wo es lange in Filmen und Büchern nur unglückliche Enden gab. Da vor allem Frauen diese Bücher lesen, werden diese Leserinnen auch für Fürsprecher von LGBT-Rechten. Zumindest kann ich für mich sagen, dass ich zwar schon immer für gleichgeschlechtliche Ehen etc. war, dass mich aber das Lesen und Schreiben von Gay Romance nochmal mehr für das Thema sensibilisiert hat. Das ist einer der Gründe, (neben der Hoffnung, als Autor auch etwas davon abzubekommen) weshalb ich mich immer über erfolgreiche Filme und Bücher im Genre freue, die ein breites Publikum ansprechen.
Bisher habe ich aber leider auf dem deutschen Markt, insbesondere im Print, noch nicht gesehen, dass Autoren von großen Verlagen unter Vertrag genommen werden. Ob Romance oder schwule Literatur, setzen die Großen immer noch auf bereits erfolgreiche Übersetzungen. Daher setzten Autoren, die viel schreiben meist auf eine Kombination von Kleinverlagen und Selfpublishing.
Neben den etablierten Kleinverlagen wie deadsoft, Cursed Side, Dreamspinner Press oder Incubus gibt es aber auch mittelgroße Romance-Verlage, die vermehrt Gay Romance ins Programm nehmen, wie Romance Edition, der Sieben Verlag oder der ebook-Verlag books2read.
Dennoch lese ich häufiger englische Titel, da die Auswahl dort immer noch größer ist. Leider überzeugen auch Übersetzungen nicht immer, oder sind teurer als das Original. Wenn man lieber auf Deutsch liest, wird man sich darüber freuen, dass es immer mehr Übersetzungen erfolgreicher englischer Titel gibt. Aber auch darüber, dass immer mehr professionell gestaltete Bücher deutscher Autoren veröffentlicht werden. Leider landen diese Bücher nur sehr selten im Buchhandel und darüber werden in Deutschland immer noch die meisten Bücher verkauft. Doch in den Buchhandel zu kommen ist für kleiner Verlage schwer und wenn die großen Verlage nur ebooks veröffentlichen, verringert das die Wahrscheinlichkeit, dass neue Leser zufällig im Laden auf diese Bücher stoßen. Auch schließen immer mehr auf das Genre spezialisierte Buchläden. Die Leser kaufen also über den online-Handel oder müssen ihre Bücher im Buchladen bestellen. Wie aufgeschlossen größere Verlage gegenüber auch deutschen Erstausgaben tatsächlich sind, muss sich zeigen. Ich hoffe, dass man guter Qualität eine Chance geben wird und dass sich die Verlage mal etwas trauen. Dennoch glaube ich nicht, dass Gay Romance komplett zum Mainstream werden wird, es bleibt ein Thema, das eine bestimmte Zielgruppe anspricht, und das ist auch ganz in Ordnung so.




Samstag, 1. November 2014

Benjamins Gärten von J. Walther

J. Walther aka Jana Walther gehört zu den Autoren, die schon ewig auf meiner Leseliste stehen. Jetzt bin ich endlich dazu gekommen, ihren kurzen Roman Benjamins Gärten zu lesen. Zunächst erschien er im Verlag, jetzt in überarbeiteter Version im Selfpublishing.
Das Cover zeigt einen Garten mit einer Hängematte. Das passt sehr gut zur Stimmung der Geschichte.
Nach dem Tod seiner Eltern lebt der neunzehnjährige Benjamin allein in deren Haus auf dem Land. Was er mit seiner Zukunft anfangen will, ist ihm noch gänzlich unklar. Er lebt im Augenblick und in der Vergangenheit, muss sich erstmal mit dem Tod seiner Eltern auseinandersetzen, bevor er weiter gehen kann. Und er trifft Marek, der eine alte Villa in der Nähe gekauft hat, um sie wieder zu verkaufen. Es entwickelt sich etwas zwischen den beiden, eine Beziehung kann man es nicht nennen. Denn Marek entzieht sich Benjamin immer wieder, verschwindet ohne sich zu verabschieden, taucht plötzlich wieder auf. Redet kaum über sich, sie beide reden nicht über ihre Beziehung. Das ist ein Muster, das in Benjamins Leben immer wieder vorkommt, die Sprachlosigkeit zwischen ihm und seinem Vater, mit seiner ersten Affäre. Manchmal geht es einem schon auf die Nerven, wenn Benjamin es nicht schafft, einmal zu sagen, was er möchte. Er bleibt seltsam unnahbar. Erst gegen Ende findet er langsam seine Stimme, stellt endlich einmal Forderungen, probiert Neues aus. Aber es ist nicht unbedingt die Handlung, die den Roman lesenswert macht. Passieren tut eher wenig, es spielt sich mehr in den Figuren ab. Vielmehr ist es eine Momentaufnahme eines Sommers und Herbstes, der Gärten, in denen Benjamin sich aufhält. Es ist eine ganz besondere Stimmung, die hier eingefangen wird, ein wenig nostalgisch, traumhaft, eine ganz eigene Welt. Das besondere an diesem kurzen Roman ist Jana Walthers Stil. Es ist ein sehr klarer, präziser Stil, jedes Wort ist genau richtig, keines zu viel. Nur wenige Autoren beherrschen es, gleichzeitig so anspruchsvoll und klar schreiben zu können. Wenn man ein Buch von der Autorin aufschlägt, muss man sich darauf einlassen, anspruchsvolle Literatur zu lesen. Ich habe das in kleinen Dosen getan, da ich nach jeder Passage diese wunderbare Sprache in mich aufnehmen wollte.
Teilweise gibt es etwas zu viele Wiederholungen in der Handlung. Aber da der Text so kurz ist, ist das nicht weiter schlimm. Ich bin jedenfalls gespannt auf das nächste Buch von der Autorin. Leider hat sie angekündigt, erstmal keine weiteren Romane schreiben zu wollen. Das ist schade, aber Benjamins Gärten sehe ich auch eher als Novelle. Kürzlich erschien von ihr Nur eine Frage der Liebe.
Also vielleicht erfreut uns die Autorin ja doch noch mit neuen kürzeren Texten.

Sonntag, 19. Oktober 2014

Any day now

Ich bin immer noch etwas unsicher, wie ich den Film Any day now finden soll. Es ist kein typischer Film über ein schwules Paar, das wird schnell klar. Angesiedelt ist er Ende der Siebziger in den USA.
Als der gutsituierte Anwalt Paul in einer Bar die Drag Queen Rudy kennen lernt, ändert das für beide ihr Leben. Paul ist geschieden und wahrscheinlich möchte er jetzt endlich auch seine Neigung zu Männern ausleben. Rudy performt in Glitzerekostümen zu Popsongs und flirtet Paul offensiv an. Sie landen in Pauls Auto, es gibt einen Gefallen für Paul. Doch dann klopft ein Polizist an der Scheibe. Rudy zeigt sein Temperament, das manchmal mit ihm durchgeht, beschimpft den Polizisten, während Paul die Situation schlichtet. Von hier an könnte man meinen, dass es sich um einen Liebesfilm handelt, doch dann sieht man Rudy allein in seinem heruntergekommenen Apartment, bei dem er die Miete schuldig bleibt. Eine verlorene Puppe im  Flur bringt alles ins Rollen. Sie gehört dem Sohn seiner Nachbarin, einem Jungen mit Down-Syndrom. Die Mutter ein Junkie mit pöbelndem Freund. Am Morgen ist sie verschwunden, der Junge allein in der Wohnung. Und für Rudy ist augenblicklich klar, er will verhindern, dass der Junge ins Heim oder in eine miese Pflegefamilie muss. Also nimmt er den Jungen, Marco, bei sich auf. Es beginnt ein Kampf um das Recht für den Jungen zu sorgen. Rudy erhofft sich Hilfe von Paul, der zunächst ablehnt. Doch dann besinnt er sich auf sein gutes Herz und bietet sogar an, dass Rudy und Paul bei ihm wohnen können. Alles scheint gut zu gehen, als Marcos Mutter, die inzwischen im Gefängnis sitzt, unterschreibt, dass Rudy für Marco sorgen darf. Doch so soll es nicht bleiben. Any day now ist ein Film über die Ungerechtigkeit des Justizsystems und die Doppelmoral der Gesellschaft.

weiter:

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Das Problem mit "gay for you" und warum ich John Barrowman liebe

Wenn ich eine Plotzusammenfassung lese, die ungefähr so geht: A verliebt sich unsterblich in B, aber B ist hetero, doch B fühlt sich dennoch zu A hingezogen, und merkt plötzlich, dass er schwul ist, verdrehe ich immer die Augen. Dabei habe ich selbst eine Art gfy-Geschichte mit Aljoschas Tanz. Was mich vor allem an den gfy-Geschichten stört ist, dass ich es mir immer schwer vorstellen kann, wie jemand plötzlich merkt, dass er sich in jemanden des eigenen Geschlechts verliebt. Vor allem wenn die Figuren keine achtzehn mehr sind und vorher auch nie auf die Idee gekommen sind, nicht hetero zu sein. Doch wenn ich ein bisschen darüber nachdenke, ist diese Ansicht auch wieder ein Vorurteil. Nur weil ich mir irgendwie schon immer darüber klar war bi zu sein, heißt das nicht, dass es jedem so gehen muss. Es gibt durchaus Männer oder auch Frauen, die erst mit fortgeschrittenem Alter merken, dass sie homosexuell sind. Vielleicht auch, weil sie sich in eine bestimmte Person verlieben. Was mich jedoch an gfy immer gestört hat ist, dass die Figuren dann immer noch nicht eingestehen, nicht hetero zu sein, dass sie nur diesen einen Mann attraktiv finden. Das kann ich mir einfach sehr schwer vorstellen. Auf dieses Thema komme ich durch einen Post von Jordan L. Hawk auf der wunderbaren Seite: Queer Romance Month, auf der einige Romance Autoren Themen über Queer Romance diskutieren, besonders Repräsentation.
Und Jordan hat mich dazu gebracht, meine Meinung doch etwas zu ändern. Sie weist darauf hin, dass es nicht nur komplett hetero, komplett bi oder komplett homo gibt. Die Kinsey-Skala zeigte ein breites Spektrum an Möglichkeiten, eine fortlaufende Skala zwischen den Extremen. Und viel zu oft werden Figuren eben nur in den Extremen dargestellt. Wenn jemand sich plötzlich in einen Mann verliebt, kann er seine vorherige Freundin nicht richtig geliebt haben. Dass ist es, was mich als bisexuelle Person am meisten stört. Auch wenn zum Beispiel ein Promi mit einem Mann zusammenkommt und vorher mit einer Frau zusammen war heißt es, oh die Arme hat nicht gemerkt, dass ihr Kerl schwul war. Als ob es nicht möglich wäre, sich mal in eine Frau und mal in einen Mann zu verlieben. Ich weiß es, es geht.
Zurück zum Problem mit gfy. Mir ist bewusst geworden, dass das tatsächlich passieren kann. Wenn jemand mehr an den Enden der Skala steht und vielleicht bisher wirklich vor allem auf Frauen stand und bisher nur mit Frauen zusammen war, hatte er keinen Grund seine Heterosexualität anzuzweifeln. Dann kann es vielleicht tatsächlich sein, dass er dann dem einen Mann begegnet und peng, "gay for you". Es ist dann aber eben kein ich werde für dich schwul, sondern ein, ich war schon immer etwas abseits vom Ende der Skala, habe es nur nicht bemerkt. Dann soll der Charakter das aber bitte jetzt merken. Er soll nicht merken, dass alles was vorher war, falsch war. (Es sei denn die Figur ist wirklich komplett schwul, dann ist es aber wiederum kein gfy) Das ist dann das andere Extrem dazu, dass er meint, eben nur für diesen einen Mann etwas zu empfinden und eigentlich immer noch hetero zu sein. Er soll merken, dass er sich in diesen einen Mann verliebt hat, nicht mehr und nicht weniger. Vielleicht wird ihm auch klar, dass er vorher schonmal Männer attraktiv fand. Vielleicht auch nicht.
Was ich mir wünschen würde sind Figuren, die sich bewusst sind, wo sie auf der Skala stehen, die sich komplett bewusst sind, bi zu sein und kein Problem damit haben. Sowas findet man viel zu selten. Denn leider hört man ja auch öfter, dass selbst in der LGBT-Comunity Vorurteile gegenüber Bisexualität bestehen und alle schön in Labels sortiert werden sollen. Ich würde gerne mal über eine Figur lesen, die sich das erste mal in jemanden des eigenen Geschlechts verliebt und kein riesen Thema daraus macht. Es wäre wohl unrealistisch, gar nicht darüber zu reflektieren, aber müssen diese Personen immer so ein großes Problem damit haben, nur damit man einen Konflikt im Plot hat? Ich denke nicht.



Also mehr Repräsentation, mehr Vielfalt. Damit komme ich zu meiner Liebe zu John Barrowman und Captain Jack Harnkess. Wer Docotor Who kennt, wird wissen, von wem ich spreche und in Torchwood spielt er die Hauptrolle. Captain Jack ist bi, vielleicht eher zu Männern geneigt. Doch er flirtet mit jedem, der ihm über den Weg läuft. Mann, Frau, Alien ... Und er schämt sich kein bisschen dafür. Dafür liebe ich ihn. Denn er schafft es dabei zwar eingebildet, aber nie machohaft rüberzukommen. Immer hat der unsterbliche Anführer der geheimen Abteilung Torchwood etwas mysteriöses an sich. Und er ist einfach sexy in seiner Captain-Jacke. John Barrowman hat ihm so richtig Charakter gegeben. Er ist in echt genauso charmant wie seine Rolle und komplett schwul. Musicalstar, Showmaster, Schauspieler. Aber dabei seit einer Ewigkeit, ich glaube über achtzehn Jahre mit seinem Partner zusammen und er ist häufig auf Cons unterwegs, um Fans zu treffen. Ich hoffe ja immer noch auf eine Rückkehr von ihm zu Doctor Who. Denn so eine Figur wie Jack hatte man bis dahin noch nicht gesehen. Nicht im Mainstream TV, überhaupt kaum im Film. Man könnte kritisieren, dass Captain Jack nur wieder Vorureile gegenüber Bisexuellen bestätigt. Mit allen flirten, die größte Auswahl haben, nicht treu sein können ... aber es ist eben nur eine einzige Figur und die kann wohl niemals alles abdecken. Captain Jack ist Captain Jack und ich liebe ihn dafür. Ich möchte mehr Captain Jacks und mehr Iantos (Jack LI in Torchwood, der übrigens ein gfy-Charakter ist), aber auch gerne introvertiertere bisexuelle Figuren. Es kann ja nicht jeder so selbstbewusst wie Jack sein. Die Figuren dürften auch mal über ihre Sexualität in Zweifel sein, aber dann ist auch irgendwann gut. Je normaler es wird, desto weniger werden Menschen das Bedürfnis haben, auf alles sofort ein Label draufzukleben, das man nicht mehr abbekommt.