Montag, 13. Januar 2014

Schreibupdate

In den letzten eineinhalb Jahren habe ich zwei kürzere Romane geschrieben, die jetzt beide noch darauf warten, von mir zu Ende überarbeitet, bzw. von Testlesern auseinander genommen zu werden.
Während mein Kopf noch immer an den Figuren von Sunford hängt, versuche ich gleichzeitig etwas Neues zu schreiben. Eigentlich ist mein Hauptprojekt ja gerade ein Jugendbuch komplett ohne schwule Figur. Sowas gibt es? Tja, ich versuche es zumindest.
Nebenher habe ich gerade ein Spaßprojekt gewissermaßen zwangsläufig sehr viel Erotik enthält. Ich bin mal gespannt, wie lang diese Geschichte wird und ob ich das mit der Erotik überhaupt hinbekomme.
Danach habe ich mir fest vorgenommen endlich mein Sommer in Vermont weiterzuschreiben und dann gibt es da auch noch zwei sehr skurrile Figuren, die jetzt plötzlich meinen, dass ich unbedingt ihre Geschichte erzählen muss. Am besten jetzt. Ihr seht, die Ideen sind mir noch nicht ausgegangen, auch wenn ich außer KGs länger keine neuen Storys gepostet habe.

Samstag, 30. November 2013

Der Adventskalender ist da!

Heute ist der 1. Advent und damit öffnet sich auch der Adventskalender auf boyboy, den es jetzt schon seit Jahren gibt und auch dieses Jahr sind wieder viele weinhachtliche zuckrige Geschichten und Bilder drin. Natürlich auch eine Geschichte von mir und ich weiß selbst nicht, hinter welcher Tür sie erscheinen wird, also lohnt es sich, jeden Tag reinzugucken. Ich bin immer wieder begeistert, dass so viele Texte dafür schreiben und es trotz Panik, ob er auch voll wird, es jedes Jahr wieder klappt und die Organisatoren sich solche Mühe damit machen.

Samstag, 2. November 2013

Maurice von E. M. Forster

Vor einigen Jahren habe ich die Verfilmung des Buches gesehen und war nicht wirklich begeistert. Damals war mir auch noch nicht so sehr bewusst, welche Bedeutung das Buch und der Film hatten. Eine schwule Liebesgeschichte Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, mit einem Happy-End. So etwas gibt es ja sonst sehr selten. Aber immer noch ist der Film in meiner Erinnerung trotz Hugh Grant in einer der Hauptrollen keiner der besseren Queerfilme. Denn für meinen Geschmack ist der ästhetische Stil des Films zu sehr eine Ästhetik der Achtziger, sehr distanziert von den Figuren.
Nun, da ich auch das Buch gelesen habe, gefällt mir dieses weitaus besser, wie es ja oft der Fall ist, wenn sich innere Entwicklungen schelcht in Filmsprache übermitteln lassen.
Maurice  ist ein ganz normaler Internatsschüler, von gelegentlichen Schwärmereien für Mitschüler einmal abgesehen. Forster beschreibt ihn in allem als mittelmäßig und unauffällig. Dann kommt Maurice zum Studieren nach Cambridge. Er freundet sich rasch mit dem intelligenten Clive an, und bald verbindet sie eine tiefe Freundschaft. Clive, der sich mit Philosophie und Literatur beschäftigt, ist sich seiner Neigung zu den "Griechen"  schon länger bewusst. Er gesteht Maurice seine Liebe, doch dieser obwohl er schon weiß, dass er Clive ebenfalls liebt, reagiert zunächst schockiert. Damals war Homosexualität nicht nur ein Tabu, es hätte zum gesellschaftlichen Ausschluss geführt, hätte jemand davon erfahren. Doch Maurice und Clive finden schließlich zueinander, wenn sie sich auch körperlich nie wirklich nahe kommen. Für Clive ist die platonische Liebe die höchste Form. Über Jahre besteht diese intensive Freundschaft, bis Clive plötzlich meint, dass er Maurice nicht mehr liebt und eine Frau heiratet.


Maurice ist tief verletzt und kann Clives Abweisung lange nicht akzeptieren. Erst allmählich wird ihm bewusst, dass seine Beziehung zu Clive nie das war, was er sich erträumt hat. Er hofft, er könnte ebenso wie Clive auch Frauen lieben, wenn er sich von einem Hypnotiseur behandeln lässt.
Erst die Erfahrung der körperlichen Nähe zu einem einfachen Wildhüter lässt Maurice erkennen, dass mit ihm nichts falsch ist und dass es für ihn möglich ist, eine glückliche Beziehung mit einem Mann zu führen.
Es ist dieses glückliche wenn auch recht offene Ende, dass das Buch so besonders macht. Zur damaligen Zeit wäre es undenkbar gewesen, dieses Buch zu veröffentlichen, so dass es erst nach Forsters Tod an die Öffentlichkeit kam. Es ist also ein Buch, das Foster zunächst für sich selbst schrieb. Ein wenig meint man es ihm anzumerken. Forsters Stil ist etwas weniger ausgereift als in seinen anderen Werken, er verfügt jedoch über ein Talent, die inneren Wandlungen seiner Figuren nachzuzeichnen, dass man sie sich plastsisch vorstellen kann. Maurice ist nicht unbedingt der sympatischte Protagonist. Nicht überaus intelligent, er hat keine großen Ambitionen für sein Leben, er behandelt seine Mutter und seine Schwester nicht immer gut und blickt auf die unteren Klassen herab. Damit ist er aber auch eine realistische Figur für seine Zeit. Clive ist am Ende der, der sich selbst verleugnet, der als langweiliger Gutsherr dasteht, der seine Frau nicht liebt und nie begreift, dass er mit Maurice eine erfüllte Beziehung hätte führen können.
Das Buch ist ein Schlag gegen die damaligen Moralvorstellungen und ein Plädoyer, sich sein Glück zu nehmen, auch wenn es bedeutet mit allen gesellschaftlichen Konventionen zu brechen.

Die letzen Recherchen

Mein erster historischer Roman ist vorläufig abgeschlossen, aber noch lange nicht fertig. Abgesehen vom Funktionieren des Plots, der Figuren und Stilfragen, tauchen immer wieder Details auf, die ich noch recherchieren muss.
Etwas in einer Zeit anzusiedeln, die man nur durch Filme und Bücher kennt, ist wirklich eine Herausforderung. Man kann es sich leicht machen und hoffen, dass Fehler schon niemandem auffallen, oder dass die Story so sehr interessiert, dass alle historische Korrektheit egals ist. (das habe sich wohl auch die Macher der neuen Fernsehserie "Reign" gedacht). Aber ich habe doch den Anspruch, alles soweit zu recherchieren, wie es mir möglich ist. Allein über das Internet findet man schon eine Menge, aber nicht alles. Also habe ich mir alle Bücher die etwas mit "Edwardian" im Titel hatten bei der Unibibliothek ausgeliehen. Leider waren die Bücher zwar teilweise ganz unterhaltsam aber bestimmte Details habe ich darin oft doch nicht gefunden.
Zum Beispiel habe ich heute versucht herauszufinden, ob in der Zeit wohl die Post auf dem Land mit dem Fahrrad oder mit Pferden ausgeliefert wurde. Dabei habe ich keine eindeutige Antwort gefunden. Kutschen gab es sogar in bestimmten Gebieten bis in die Sechziger Jahre und Fahrräder schon lange vorher. Motorräder wurden etwas später eingeführt und Automobile eigneten sich noch nicht. Es hängt also wohl davon ab, wie praktisch es war, mit einem Fahrrad umherzufahren und wie weit die Entfernungen waren. Bei der Recherche stoße ich immer wieder auf lustige Details. So kann man zum Beispiel auf der Website des British Postal Museums nachlesen, dass eine Zeit lang Katzen von der Post zum Mäusefangen beschäftig wurden und ihnen sogar ein Lohn zustand. Eine besonders beliebte Katze bekam sogar eine Todesanzeige in der Zeitung.
Andere Details, die das Leben in London betreffen lassen sich ebenfalls nicht ohne weiteres ermitteln. So wollte ich Vincent einige Stammlokale haben lassen, in denen er sich oft mit seinen Freunden trifft. Es gibt sogar Seiten, wo man damalige Restaurantkritiken lesen kann. Welches Restaurant nun gerade in dem Herbst, in dem Vincent dort ist, angesagt waren, habe ich bisher noch nicht zufriedenstellend herausfinden können. Also habe ich mir die Freiheit genommen, mir einige Namen einfach auszudenken und Vincent nur einmal ins Café Royal zu schicken, welches damals sehr beliebt war. Einmal wollte ich Vincent auch in einem Café sitzen lassen. Cafés wie wir sie kennen gab es damals jedoch nicht unbedingt. Es gab Coffee Houses und Tee Shops. Und ein gewöhnliches Coffee House wird von einem Zeitgenossen so beschrieben:

The "stalls," consisting of narrow tables and hard seats, are of wood, grimy mahogany, or grubby sham-oak, the whole confined, unclean, and dismally uncomfortable. If there be any cloth at all upon the table, it is invariably smutty and egg-stained into a sort of Whistlerian arrangement in soot and gamboge. Most commonly there is no cloth at all, but the grease-coated and coffee-ringed board is left bare to sight and to touch. The ceiling is low and smoke-darkened exceedingly; the walls are steamy, and decorated with hat-pegs and battered advertisements. The murky air of the apartment is resonant with a dull, yet fretful and irritating booming. It is the co-operative buzzing of myriads of flies, whose bodies, or whose traces are on and over everything, ceilings, walls, clumsy cups and saucers, the mysterious decoctions served therein, the coarse sugar in the shattered glass bowl, the dirty milk in the dirtier mug, the rickety cruet-stand, and the odd and fractured castors, the greasy bread-and-butter, and the equivocal egg.
Die Quelle ist von der wunderbaren Seite: victorianlondon.org

Nicht sehr einladend oder? Die Beschreibung ist zwar von 1882, zwanzig Jahre vor meiner Handlung, es kann sich also bis dahin etwas verbessert haben. Wobei einige Cafés heute auch nicht unbedingt besser aussehen.  Ich werde Vincent wohl doch etwas Geld zukommen lassen müssen, damit er sich in ein besseres Coffee House setzen kann.

Ein weiterer Punkt ist, wie damals mit Homosexualität umgegangen wurde. Über die viktorianische Zeit, also einige Jahre früher gibt es da durch Oscar Wilde recht viele Informationen. Ich hoffe, dass ich durch weitere Bücher, die ich bestellt habe noch mehr erfahre. Jedenfalls hat es mich doch sehr überrascht, dass es über eine Zeit, die durch Serien wie Downton Abby doch wieder recht populär ist, so wenig Literatur gibt.
Die interessanteste Quelle finde ich sowieso, Romane aus der Zeit zu lesen. Während ich Maurice von E.M. Foster, wohl einen der Klassiker schwuler Literatur, gerade beendet habe, und noch einmal ganz genau Adrian Mayfiel studiere, habe ich mir nebenbei auch ganz viele Klassiker als frei verfügbare ebooks besorgt. Wusstet ihr zum Beispiel, dass H.G. Wells auch realistische Romane geschrieben hat? Ich bin jedenfalls gespannt, wann ich endlich sagen kann, dass ich ein so gutes Bild von der Zeit habe, dass ich nicht mehr recherchieren muss.

Samstag, 5. Oktober 2013

Die schönsten Gay Music Videos



Dieses Video ist ja gerade überall zu sehen, dabei ist es schon ein Jahr alt. Ich verfolge Hip-Hop nicht so, deshalb habe ich es tatäschlich heute das erste Mal gesehen. Manchmal sind erfolgreiche Sachen einfach gut. Ich bin niemand, der Mainstream grundsätzlich skeptisch gegenübersteht. Es wurde wirklich mal Zeit für sowas, dachte ich, als es sah. Aber es gibt doch bestimmt noch mehr wunderbare Videos mit schwulen Geschichten. Ich habe mal die schönsten rausgesucht.

Kleines update: Ich habe einen Kanal auf youtube mit den schönsten Gay bzw. LGBT-Videos, den ich immer aktualisiere: Hier
Mehr:

Samstag, 28. September 2013

Huch, ich schreibe zuckrige Happy-Ends!

Die Rohfassung meiner Edwardianer ist beinahe fertig. Es fehlen noch ca. drei kleine Szenen in der Mitte und der allerletzte Absatz. Danach wird die Arbeit mit der Überarbeitung und Recherche aber erst richtig anfangen. Es ist zwar riskant, aber ich neige dazu erstmal zu schreiben und danach zu recherchieren, ob das auch alles so richtig ist. Ich hoffe, ich muss keine großen Teile umschreiben. Vor allem muss ich mich aber noch mit dem Leben in London beschäftigen und es macht wirklich Spaß, sich in die Zeit um die Jahrhundertwende zu vertiefen.
Gestern habe ich beinahe zwanzig Seiten geschrieben, denn diese Geschichte wollte einfach zu Ende erzählt werden. Wenn ein Buch kurz vor dem Finale steht, steigere ich mich da oft richtig rein und vor allem wenn es eine Liebegeschichte ist, kann ich meine armen Figuren ja nicht warten lassen, bis sie sich endlich bekommen. Ich habe ja nicht geahnt, was für ein zuckriges Ende ich da fabrizieren würde, also für meine Verhältnisse. Wer schon mehr von mir gelesen hat weiß, meine Liebesgeschichten gehen nicht immer gut aus. Wobei das Ende bei "Lex" eigentlich auch recht zuckrig ist, wenn ich darüber nachdenke. Diesmal konnte ich allerdings nicht anders, als meine Figuren erst eine Weile zu quälen und sie dann glücklich zu machen. Ich kenne Autoren die sagen, dass sie ihre Figuren beim Schreiben ganz distanziert betrachten. Ich kann das nicht. Ich muss alles mitfühlen, was meine Figuren fühlen. Ob sie wütend, traurig oder glücklich sind. Deshalb war ich gestern auch ganz bewegt, als ich meine Figuren durch ein Gefühlschaos gehen ließ. Wir Autoren sind schon ein komisches Volk. Ich hoffe natürlich, es gelingt mir auch, diese Emotionen dann beim Leser auszulösen. Am liebsten würde ich jetzt alle verbleibenden Lücken im Text füllen und ihn als fertig betrachten, aber bis das so weit ist, werde ich wahrscheinlich nochmal Jahre recherchieren. Leider habe ich mir anscheinend auch ein Setting ausgesucht, worüber es am wenigsten Informationen gibt. Einerseits Mittelschichtsfiguren, andererseits die Zeit um 1905. Während es über die Viktorianer haufenweise Literatur gibt und über den ersten Weltkrieg sowieso, sieht es hier leider etwas mau aus. Aber ich habe mich bereits mit Romanen aus der Zeit und einer langen Liste von Büchern eingedeckt. Denn ich kann es wirklich kaum abwarten zu erfahren, ob Vincent und Leonard bei den Lesern ankommen.

Der Mann, der Yngve liebte - Filmrezension

Heute möchte ich einen Film empfehlen, den ich schon vor einer Weile gesehen habe und über den ich schon seit einer Ewigkeit schreiben wollte.
Der Mann, der Yngve liebte ist ein wunderschöner norwegischer Coming-of-Age-Film.
Jarle ist ein Außenseiter, der Ende der Achtziger in einer kleinen norwegischen Stadt aufwächst. Alles wofür er sich interessiert ist die neueste Rockmusik. Was liegt da näher, als mit seinem besten Freund, der genauso tickt wie er eine Punkband zu gründen? Mit der Matthias Rust Band wollen sie ihre Rebellion äußern. Damit haben sie dann auch bestimmt gute Chancen bei den Mädchen. Der schönen Katrine zum Beispiel, in die sowohl Jarle als auch sein bester Freund sich verlieben. Doch Jarle ist der glückliche, der das Mädchen abbekommt. Mit seinen roten Haaren und dem verträumten Blick könnte Jarle durchaus ein Mädchenschwarm sein. Sein Leben läuft eigentlich perfekt, doch dann begegnet er Yngve. Der neue in der Klasse ist so ganz anders als Jarles sonstige Freunde. Er ist ein Popper, also eigentlich das Feindbild aller Punker. Yngve trägt weiße Kleidung und spielt Tennis. Zu Hause hört er Schlager. Doch Jarle ist aus irgendeinem Grund total fasziniert von Yngve und kann sich nicht von ihm losreißen. Immer wieder sucht er Yngves Nähe, bis er dadurch alles was er hat zu verlieren droht. Denn seine Freunde verstehen überhaupt nicht, warum Jarle plötzlich Tennis spielt und die Bandproben schwänzt, um sich mit Yngve zu treffen. Und seine Freundin bekommt auch langsam mit, dass etwas mit Jarle nicht stimmt.
Er hat sich in einen Jungen verliebt, aber er kann sich seine Gefühle nicht eingestehen und ist völlig von der Rolle. Niemand versteht ihn. Und auch mit Yngve kann er nicht zusammen sein. Rolf Kristian Larsen der Jarle spielt ist eine Entdeckung, aber auch die anderen jungen Schauspieler sind sehr glaubwürdig.
Am Ende des Films gibt es eine traurige Wendung, die man schon ein wenig ahnt, die mich aber dennoch sehr überrascht hat. Der Mann der Yngve liebte liefert keine Lösung am Ende des Films, es ist eine Geschichte vom Verliebtsein, die eine unerwartete Tiefe entfaltet. Wer eine seichte Liebesgeschichte erwartet, wird hier enttäuscht.
Es gibt noch mindestens zwei weitere Filme um Jarle und noch mehr Bücher (die Filme sind nach Romanen von Tore Renberg), ich habe sie allerdings noch nicht gesehen oder gelesen und glaube, es gibt darin jeweils andere Themen. Aber man kann Der Mann, der Yngve liebte auch als eigenständigen Film ansschauen.

Norwegen, 2008, Regie: Stian Kristiansen.