Mittwoch, 13. März 2013

Buchrezension: Des Teufels Maskerade und Fortunas Flug von Victoria Schlederer

Des Teufels Maskerade, das Buch mit dem Victoria Schlederer 2009 den Heyne-Wettbewerb zu einem Fantasyroman gewonnen hat, stand schon lange auf meiner Leseliste. Wien und Prag im neunzehnten Jahrhundert, Fantasy, Krimi und das mit einer bisexuellen Hauptfigur. Mehr brauchte ich nicht zu wissen, um neugierig zu werden.
Baron Dejan Sirco liebt Autorennen, bei denen er nie gewinnt, er lebt zusammen mit einem Geist namens Lysander, der in einen Otter gefahren ist in Prag und wird bald in das größte Abenteuer seines Lebens hineingezogen. Als Ermittler in okkulten Angelegenheiten hat er schon einiges erlebt, doch nun ist es ausgerechnet sein ehemaliger Freund Graf Felix Trubic, der ihn beauftragt. Dass sie sich vor Jahren nach einem beinahe tödlichen Duell getrennt haben, erleichtert ihre Zusammenarbeit nicht unbedingt. Erst gegen Ende wird Licht in ihre komplizierte Beziehung und ihre gemeinsame Geschichte gebracht. Doch als es darum geht, Felix' Leben vor einem unbekannten Feind zu schützen, tun Dejan, Lysander und ihr Gehilfe Mirko alles, um Felix zu retten. Das Besondere an diesem Roman ist die Sprache, die Victoria Schlederer aus Romanen jener Zeit abgeschaut hat. Lange verschachtelte Sätze, altmodische Wörter und schlagfertige Dialoge.

Dienstag, 12. März 2013

"Get Real" Filmrezension

Der 16-jährige Steven hat seit er 11 ist, keine Zweifel über seine sexuelle Orientierung. Jedoch weiß nur seine gute Freundin und Nachbarin Linda Bescheid. Im Park trifft er sich heimlich mit Männern. Dort begegnet er zu seiner Überraschung eines Tages dem Schwarm der Schule, dem gutaussehenden Sportler Jon. Dieser ist unsicher und verheimlicht sein Schwulsein. Dennoch kommen er und Steven sich näher und verlieben sich. Aber während Jon immer mehr Angst bekommt, jemand könnte etwas herausfinden, ist Steven das Versteckspiel leid. Der Film behandelt zwar ein ernstes Thema, und die Ängste und Sehnsüchte der Protagonisten sind spürbar dargestellt, dennoch gibt es haufenweise witzige und sehr direkte Dialoge. Kaum wird es dramatisch, darf es auch wieder lustig sein. Trotzdem sind die Figuren sehr glaubhaft dargestellt, sogar die weiblichen Nebenrollen. Besonders Ben Silverstone ist überzeugend in der Hauptrolle. Ein herausstechender Film unter den coming-out und coming-of-age Geschichten der 90er.


GB 1998
Regie: Simon Shore, Theaterstück und Drehbuch: Patrick Wilde
Darsteller: Ben Silverstone, Brad Gorton, Charlotte Brittain
DVD-Extras: Interview mit Regisseur, Trailer

"Boy Culture" Filmrezension

2007
Regie: Q. Allan Brocka
Darsteller: Derek Magyar, George Jonson, Patrick Bauchau, Jonathon Trent

X ist Callboy und mag seinen Job. Denn er mag Sex ohne Verpflichtungen. Nähe zu anderen Menschen kann er nur schwer zulassen. Wer nach dem Cover urteilt und viel Erotik erwartet, wird jedoch enttäuscht. Boy Culture dreht sich um die Beziehungen dreier WG-Bewohner, neben X sind da noch der Afroamerikaner Andrew, seine Ansichten über Beziehungen sind eher konservativ. Bei seinen Eltern hat er sich noch nicht geoutet und One-Night-Stands kommen für ihn nicht in Frage. Das krasse Gegenteil: Joey, noch nicht volljährig passen die anderen auf ihn auf. Quirlig, aufgedreht und grell und eine irre lange Zunge. Beide sind hoffungslos in X verliebt. Joey ist für X noch ein Junge, seine Gefühle für Andrew kann er nicht ausdrücken. Auch kommt für Andrew eine Beziehung nur in Frage, wenn beide treu sind, und X will nicht auf seinen Job verzichten. Eine Nebenhandlung ist Xs Bekanntschaft mit einem älteren Mann (Patrick Bauchau), der ihn nur dafür bezahlt, ihm Gesellschaft zu leisten. Ein interessanter Charakter, der am Ende noch für einige Überraschungen gut ist und der X dazu bringt, sich zu öffnen und ein wenig Nähe zuzulassen. Boy Culture wechselt zwischen komischen und ernsten Momenten; die Freundschaft der Männer, die sie fast schon zu einer Familie werden lässt, in der sich alle umeinander kümmern ist das Besondere an diesem Film. Kein Meisterwerk in der Ästhetik, aber insgesamt hebt sich der Film von anderen Indieproduktionen mit mittelmäßigen Schauspielern und schwächelndem Drehbuch positiv ab. Besonders Jonathon Trent (Joey), als straighter Schauspieler überzeugt. Ich empfehle das Interview mit ihm anzusehen, in dem er berichtet, wie er sich in die Rolle eingefühlt hat und wie er selbst noch Vorurteile abgebaut hat, als er das erste Mal Kontakt zur schwulen Community hatte. Wenn man sieht, wie er in Wirklichkeit ist, sieht man erst, wie gut er spielt. (Abgesehen davon, dass er auch recht gut aussieht).

Montag, 11. März 2013

Recherchieren über die Viktorianer


Dass ich hier schon länger nichts geschrieben habe, liegt daran, dass ich umgezogen bin und eine Weile kein Internet hatte und auch wenig Zeit. Ich habe zwar immer noch wenig Zeit, aber dass heißt nicht, dass ich nicht schreiben würde. Mit der Überarbeitung von "Patrick" geht es mehr oder weniger stetig vorwärts und meine viktorianische Liebesgeschichte bekommt auch immer mehr Gestalt. Ich habe schon immer mehrere Projekte parallel geschrieben, so kann ich wechseln, wenn ich bei einem gerade nicht weiterkomme. Einmal habe ich schon erwähnt, dass ich mich auf die Recherche freue, die ein historischer Text mit sich bringt. Die Recherche stellt sich jedoch als schwieriger heraus, als ich gedacht hatte. Als Quellen eignen sich die wenigen Romane aus der Zeit, Biographien und Zeitungsartikel. Es gibt sogar ein paar Sachbücher zu dem Thema. Was ich bisher noch nicht wusste war, wie groß die schwule Untergrundszene in London war und wie viel Erotik die Viktorianer produzierten, sowohl literarisch als auch in Bildform. Wenn ich mit meiner Recherche weiter fortgeschritten bin, werde ich noch ausführlicher darüber berichten. Danken möchte ich Kati, die ein wunderbares Blog über die Viktorianer betreibt. Kürzlich schrieb sie auch einen Artikel zur Homosexualität zu der Zeit hat und mich darüber hinaus beraten, wie ich weiter recherchieren könnte. Bei meiner einfach Internetsuche fand ich auch dieses kleine tumblr-Blog, das Fotografien viktorianischer männlicher Paare sammelt. Einige der Fotos sind hinreißend, andere skuril, manche Paare wirken eher wie Brüder oder Freunde, andere sind eindeutig Liebespaare: "victorian gentleman in love" eben (ich verlinke nicht direkt auf den Blog, da einige Bilder eindeutig pornografisch sind, aber nur ganz wenige). Da fragt man sich unwillkürlich, was das für Männer auf den Bildern waren, was für ein Leben sie führten, ob sie verliebt waren und was sie dazu veranlasst hat, dieses Foto machen zu lassen. Von wann die Beispiele oben sind, stand leider nicht dabei, die seltsamen Posen wirken heute etwas komisch und steif, was wohl auch an der langen Belichtungszeit damals lag.

Freitag, 18. Januar 2013

Das Ende steht immer am Anfang

Während ich bei Patrick die letzten Lücken stopfe und mich auf das Ende vorbereite, nimmt meine historische Story in England immer mehr Gestalt an. Manchmal schreibe ich drauf los, ohne genauen Plan, wie die Geschichte weitergeht. Nur das Ende kenne ich immer, aber die Mitte, das ist meistens undeutlich, bis ich dort ankomme. Bei dieser neuen Story ist es etwas anders. Ich kenne schon sehr viele Details, ganze Dialoge und Textpassagen habe ich im Kopf. Ein Notizuch hatte ich noch nie. Manchmal schreibe ich mir vor dem Schlafengehen kurz eine Szene auf. Aber das meiste behalte ich auch so. Wenn ich alles schon vorher weiß, dann fehlt mir meistens die Motivation, es auch zu schreiben. Ich bewundere Autoren, die alles bis ins kleinste Detail planen, bevor sie nur ein Wort zu Papier bringen. Das verhindert wohl, dass man in Sackgassen gerät. Aber mit ein wenig Ungewissheit erhält sich auch für mich die Spannung. So bin ich doch ganz froh, dass ich über die Nebenfiguren noch nicht weiß, wie ihr Weg genau verlaufen wird. Und ich freue mich schon sehr die ganzen Details zu recherchieren, wie ginge das besser als Literatur aus der Zeit zu lesen oder Filme zu schauen? Nicht, dass eine Ausrede nötig wäre, um Downtown Abbey zu gucken oder Thomas Hardy zu lesen.

"The Secret Diaries of Miss Anne Lister" Filmrezension

Im England zur Zeit der industriellen Revolution gab es nicht nur Frauen, die Jane Austen-mäßig darauf warteten, den richtigen Mann abzubekommen. Nein, es gab auch eine Frau, die sich aktiv nach einer Partnerin umgesehen, und über ihr aufregendes Leben vier Millionen Wörter umfassende Tagebücher geführt hat. Diese Tagebücher stellen die Frauen zu jener Zeit in einem ganz anderen Licht dar, einem authentischeren.
Der Film begleitet Annes Leben, ihre Beziehung zu der schönen Mariana, die ihr verspricht, mit ihr zusammenzuziehen, dann aber doch Angst vor sozialer Ausgrenzung hat. Anne widmet sich der Literatur und Wissenschaft, sie möchte eine selbstständige Frau bleiben und kleidet sich immer mehr wie ein Mann, auch wenn sie keine Hosen trägt. Geschickt versteht sie es, die von ihr in der Kirche ausgespähten Frauen zu verführen. Dabei geht sie wohl kalkuliert vor, und der Besitz der Frauen ist ihr wichtiger, als deren Charakter.
Der Film ist unterhaltsam, die Schauspieler machen ihre Sache gut, wenn auch nicht herausragend. Wer immer mal einen Empire-Kostümfilm mit toughen Frauen sehen wollte, ist hiermit gut bedient. Leider hat der Film aber auch einige Längen und verläuft teilweise vorhersehbar. Auch bleiben die Nebenfiguren recht unscharf, und Annes wirtschaftliche Investitionen kommen nur am Rande vor.
Ein Plus auf der DVD ist die Dokumentation über Anne Lister und die Entdeckung ihrer Tagebücher, die erst in den 80er Jahren veröffentlicht werden durften. Sicherlich eine äußerst interessante Lektüre. Ausführlich hat sie ihre Liebesaffären seit ihrer frühen Jugend festgehalten. So hatte sie ihre erste sexuelle Beziehung bereits im Alter von 13 Jahren im Mädcheninternat zu einer Halbinderin. Diese Episode hätte vielleicht einen interessanteren Film abgegeben, dürfte aber wohl aus Kinderschutzgründen nicht verfilmt werden. Wer hätte gedacht, dass die Gesellschaft damals sogar romantische Beziehungen zwischen Frauen akzeptierte, solange sie dann irgendwann einen Mann heirateten. Am Ende bleibt der Eindruck, dass Annes Leben weitaus spannender war, als es dieser Film darzustellen vermag.
Ich bin auf jeden Fall begeistert, wie viele Filme die BBC über historische lesbische Geschichten bereits realisiert hat.

Regisseur: James Kent
Drehbuch: Jane English
Darsteller: Maxine Peake, Anna Madeley
Drehort: England


EXCLUSIVE: Secret Diaries of Miss Anne Lister... von shelbythrasher1

Dienstag, 1. Januar 2013

"Plan B" Filmrezension

Dass seine Freundin ihn verlässt und sofort mit einem neuen Mann zusammen ist, nimmt Bruno schwer. Deshalb fasst er den Plan, sich an seiner Ex zu rächen, indem er ihr den Freund ausspannt, denn der hat erwähnt, dass er bisexuell ist. Bruno ist ein Student Mitte zwanzig, ohne festen Plan lebt er in Buenos Aires und scheint sein Leben nicht sehr ernst zu nehmen. Sein Ziel, der gutaussehende Pablo ist ein ruhigerer Typ. Erstaunlich einfach gelingt es Bruno, eine Freundschaft zu ihm aufzubauen, ohne dass Pablo ahnt, um wen es sich bei Bruno handelt.
Brunos Rachegelüste geraten immer mehr in den Hintergrund, je besser er Pablo kennen lernt. Die beiden brauchen lange, bis ihnen ihre Gefühle füreinander bewusst werden, besonders Bruno, für den das ganze eigentlich nur ein Spiel sein sollte. Wie sie Tricks brauchen, um sich zu küssen und nicht offen miteinander reden können, ist sehr realistisch dargestellt.
Man muss die beiden lieben, wie sie immer wieder ihre Gefühle füreinander ignorieren. Oft lese ich Geschichten, in denen ein heterosexueller Mann plötzlich schwul wird und dann auch noch sofort im Bett mit dem Love Interest landet. Dass das hier einmal nicht der Fall ist und auch so unaufgeregt dargestellt ist sehr erfrischend.Visuell ist dem Film das Indiependent-Kino anzusehen, der Zuschauer muss sich auf diese Ästhetik einlassen, aber wenn man das tut, entfalten die Story und die Figuren ihre Reize.
Am Ende ist der Film zwar zuckersüß, aber durchweg nicht kitschig.

Regie: Marco Berger
Darsteller: Manuel Vignau, Lucas Ferraro
Drehort: Argentinien