Montag, 7. Juli 2014

Think of England von KJ Charles


Durch die  Magpie-Serie bin ich ein Fan von KJ Charles geworden. Daher habe ich Think of England schon länger sehnsüchtig erwartet.
Diesmal gibt es keine magischen Elemente, dafür eine tolle Spionage-Story. Im edwardianischen England um 1904 begibt sich der im Krieg verwundete Archie Curtis zu einer Landparty. Er hat aber kaum im Sinn, sich dort zu amüsieren. Vielmehr möchte er aufklären, ob die defekten Pistolen, die viele seiner Kameraden im Krieg getötet haben und ihn selbst die Hand zerschmettert, ein Unfall waren oder ob Absicht dahintersteckte. Sein Verdacht fällt auf den reichen Mr Hubert, der mit dem Waffengeschäft zu tun hat. Dessen junge Frau hat neben Archie auch noch einige weitere illustre Gäste eingeladen. Bei der ersten Begegnung mit Daniel da Silva, kann Archie gar nichts mit ihm anfangen. Der auffällig gekleidete leicht dunkelhäutige portugiesische Jude, der Gedichte schreibt und und keinen Hehl aus seiner "Queerness" macht, ist ihm suspekt. Doch als er Da Silva unter anderen Umständen kennen lernt, wird schnell deutlich, nicht alles an ihm ist, wie es scheint.
Zu Beginn ist noch nicht ganz klar, wer eigentlich der Love Interest ist und ich hatte ein wenig Probleme mit den vielen Nebenfiguren und ihren Namen. Doch KJ Charles schafft es, die Atmosphäre der Landparty so einzufangen, dass man sich sofort in die Zeit versetzt fühlt, ohne einen mit Details zu erschlagen.
Es wird immer deutlicher, dass hier mehr als eine Person versucht, etwas zu verbergen. Viel mehr will ich vom Inhalt nicht verraten, sonst würde ich spoilern.
Ganz besonders gut gefallen hat mir im Roman die Figur des Daniel da  Silva. KJ Charles schreibt, dass sie sehr viel Pulp-Literatur aus der Zeit liest, wo Juden oder Ausländer häufig als böse dargestellt werden. Es ist erfrischend, hier eine Figur zu haben, die anders ist, als man sie in historischen Romanen sonst antrifft. Daniel ist intelligent, hat in Deutschland studiert und er kennt bereits das damals erst aufkommende Wort "homosexuell". Er hat eine einmalige Art, mit seiner aufgesetzten Flamboyanz zu provozieren und zwischen ihm und Archie gibt es einige wunderbare Dialoge. Archie bildet zu Daniel einen schönen Kontrast. Obwohl er bisher nur sexuelle Kontakte zu Männern hatte, kam ihm noch nicht in den Sinn, sich als queer zu sehen oder dass er sich gar in einen Mann verlieben könnte. Sein Charakter ist sehr geradlinig, ein Soldat, der verwundet einen neuen Sinn im Leben sucht. Als Figur konnte er für mich aber nicht ganz mit da Silva mithalten.
Daneben gibt es auch noch zwei interessante weibliche Nebenfiguren, vor allem die resolute Miss Merton, die Archie bei der Aufklärung des Falls hilft.
Das einzige Manko am Text war für mich, dass die Spionage-Geschichte etwas zu kurz kam. Es gibt einige Action-Szenen, Schießereien, etc. Aber obwohl der Roman als Einzelband angelegt sein soll, hat man das Gefühl, sofort weiterlesen zu wollen. Man möchte wissen, wie sich die Beziehung der Figuren entwickelt, die am Ende des Buches erst beginnt und wie Archie seine Identität akzeptiert. Immerhin hat die Autorin angekündigt, jetzt auch eine Fortsetzung schreiben zu wollen. 
Insgesamt ist Think of England eine schöne Romanze mit Spionage-Anteil, die Elemente aus der Pulp-Literatur der Zeit neu interpretiert.
Think of England ist übrigens ein Sprichwort, dass so viel heißt wie denk an dein Land, tue es für England. Eigentlich heißt es "lie back and think of England" und bezieht sich auf Frauen, die, um Kinder für England zu bekommen, den Sex mit ihren Männern ertragen sollten.
Nach diesem Text wird man jedenfalls nicht mehr die Worte "Think of England" lesen oder hören können, ohne breit zu grinsen.

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