Samstag, 2. November 2013

Maurice von E. M. Forster

Vor einigen Jahren habe ich die Verfilmung des Buches gesehen und war nicht wirklich begeistert. Damals war mir auch noch nicht so sehr bewusst, welche Bedeutung das Buch und der Film hatten. Eine schwule Liebesgeschichte Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, mit einem Happy-End. So etwas gibt es ja sonst sehr selten. Aber immer noch ist der Film in meiner Erinnerung trotz Hugh Grant in einer der Hauptrollen keiner der besseren Queerfilme. Denn für meinen Geschmack ist der ästhetische Stil des Films zu sehr eine Ästhetik der Achtziger, sehr distanziert von den Figuren.
Nun, da ich auch das Buch gelesen habe, gefällt mir dieses weitaus besser, wie es ja oft der Fall ist, wenn sich innere Entwicklungen schelcht in Filmsprache übermitteln lassen.
Maurice  ist ein ganz normaler Internatsschüler, von gelegentlichen Schwärmereien für Mitschüler einmal abgesehen. Forster beschreibt ihn in allem als mittelmäßig und unauffällig. Dann kommt Maurice zum Studieren nach Cambridge. Er freundet sich rasch mit dem intelligenten Clive an, und bald verbindet sie eine tiefe Freundschaft. Clive, der sich mit Philosophie und Literatur beschäftigt, ist sich seiner Neigung zu den "Griechen"  schon länger bewusst. Er gesteht Maurice seine Liebe, doch dieser obwohl er schon weiß, dass er Clive ebenfalls liebt, reagiert zunächst schockiert. Damals war Homosexualität nicht nur ein Tabu, es hätte zum gesellschaftlichen Ausschluss geführt, hätte jemand davon erfahren. Doch Maurice und Clive finden schließlich zueinander, wenn sie sich auch körperlich nie wirklich nahe kommen. Für Clive ist die platonische Liebe die höchste Form. Über Jahre besteht diese intensive Freundschaft, bis Clive plötzlich meint, dass er Maurice nicht mehr liebt und eine Frau heiratet.


Maurice ist tief verletzt und kann Clives Abweisung lange nicht akzeptieren. Erst allmählich wird ihm bewusst, dass seine Beziehung zu Clive nie das war, was er sich erträumt hat. Er hofft, er könnte ebenso wie Clive auch Frauen lieben, wenn er sich von einem Hypnotiseur behandeln lässt.
Erst die Erfahrung der körperlichen Nähe zu einem einfachen Wildhüter lässt Maurice erkennen, dass mit ihm nichts falsch ist und dass es für ihn möglich ist, eine glückliche Beziehung mit einem Mann zu führen.
Es ist dieses glückliche wenn auch recht offene Ende, dass das Buch so besonders macht. Zur damaligen Zeit wäre es undenkbar gewesen, dieses Buch zu veröffentlichen, so dass es erst nach Forsters Tod an die Öffentlichkeit kam. Es ist also ein Buch, das Foster zunächst für sich selbst schrieb. Ein wenig meint man es ihm anzumerken. Forsters Stil ist etwas weniger ausgereift als in seinen anderen Werken, er verfügt jedoch über ein Talent, die inneren Wandlungen seiner Figuren nachzuzeichnen, dass man sie sich plastsisch vorstellen kann. Maurice ist nicht unbedingt der sympatischte Protagonist. Nicht überaus intelligent, er hat keine großen Ambitionen für sein Leben, er behandelt seine Mutter und seine Schwester nicht immer gut und blickt auf die unteren Klassen herab. Damit ist er aber auch eine realistische Figur für seine Zeit. Clive ist am Ende der, der sich selbst verleugnet, der als langweiliger Gutsherr dasteht, der seine Frau nicht liebt und nie begreift, dass er mit Maurice eine erfüllte Beziehung hätte führen können.
Das Buch ist ein Schlag gegen die damaligen Moralvorstellungen und ein Plädoyer, sich sein Glück zu nehmen, auch wenn es bedeutet mit allen gesellschaftlichen Konventionen zu brechen.

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