Freitag, 21. Dezember 2012

Etwas Neues schreiben?

Wenn ich ein Projekt beendet habe, passiert meistens das gleiche. Alle Figuren, an die ich Wartemarken verteilt habe, damit sie mich nicht ständig nerven wachen auf und verlangen gleichzeitig, dass ich ihre Geschichte jetzt sofort aufschreibe. Das kann man sich ungefähr so vorstellen: auf meinen langen Fahrten zur Uni kommen mir Szenen aus den unterschiedlichen Plots in den Sinn. Und dann hopsen auch noch neue Plotbunnys über den Weg. Es ist ja nicht so, als hätte ich nicht noch zwei halbfertige Romane auf dem Laptop rumliegen. Aber wenn es bei einem Projekt gerade etwas stockt, dann hilft es mir oft, einfach etwas komplett Neues zu schreiben, um überhaupt wieder in den Schreibfluss zu kommen. Das habe ich jetzt ohne groß Nachzudenken einfach gemacht und das neueste Plotbunny gegriffen, das mich überfallen hat. Inspiriert zu diesem Plot haben mich Period Dramen, ihr wisst schon: Jane Austen, Cranford, … ich liebe die Zeit um die Jahrhundertwende, die Mode, die Kunst, die Veränderungen … und ich mag die Sarah Waters-Verfilmungen, die zu dieser Zeit spielen. Sie drehen sich immer um lesbische Frauen; eine wahre Marktlücke hat Sarah Waters da aufgetan, gibt es doch kaum andere Autoren, die das lesbische Leben zu jener Zeit so offen beleuchten. Da stellte ich mir natürlich sofort die Frage: Gibt es das auch in schwul? Ich kenne den Film Maurice, ehrlich gesagt, ganz überzeugt hat er mich nicht. Natürlich kenne ich auch Oscar Wilde. Aber Romane die heute geschrieben werden und zu der Zeit spielen, in England oder in Deutschland, mit einer Liebesgeschichte zwischen Männern? Ja, einige auf Englisch konnte ich durchaus finden (dank fleißiger Listenersteller auf goodreads). Denn das ist manchmal das erste, was ich tue, wenn ich eine neue Idee habe: checken, ob ich die erste mit dieser Idee bin oder ob es schon zig Romane mit genau dem gleichen Plot gibt und gleichzeitig suchte ich nach Recherchematerial. Ersteinmal, bevor ich alle Fakten gegenrecherchiere, schreibe ich aber einfach drauf los und es macht verdammt Spaß. Ich hoffe, der Twist in der Geschichte funktioniert – etwas das mich bei den Sarah Waters-Büchern immer beeindruckt. Ich wollte schon immer mal eine Figur wie Vincent erzählen lassen, aber bevor ich jetzt zu viel verrate, beende ich lieber den Post und schreibe den Roman weiter und versuche mich nicht mehr ständig zu fragen, was ich als nächstes schreiben soll.

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